Sechs Sekunden fehlen zum Punkt : Füchse Berlin unterliegen dem HSV unglücklich

Die Füchse Berlin verlieren das Bundesliga-Spitzenspiel gegen den HSV 32:33 - und ärgern sich danach kräftig. Denn erst sechs Sekunden vor dem Ende gelingt den Gästen per Siebenmeter der Siegtreffer.

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Hamburg obenauf. Blazenko Lackovic (M.) vom HSV Hamburg setzt sich gegen Konstantin Igropulo von den Füchsen Berlin durch.
Hamburg obenauf. Blazenko Lackovic (M.) vom HSV Hamburg setzt sich gegen Konstantin Igropulo von den Füchsen Berlin durch.Foto: dpa

Von der Dramaturgie her hätte es so schön gepasst – und von der persönlichen Geschichte ohnehin. Unter tosendem Applaus war das Trikot von Petr Stochl vor dem Spitzenspiel der Handball-Bundesliga unter das Hallendach gezogen worden, ganz nach US-amerikanischem Vorbild vergeben die Füchse Berlin die Nummer 71 ihres dienstältesten Spielers und Publikumslieblings nicht mehr. Stochl hielt dann auch sehr ordentlich gegen den amtierdenden Champions-League-Sieger HSV Hamburg, wobei am Ende eines dramatischen Spiels ein Privatduell die Entscheidung herbeiführen musste: Die Anzeigetafel wies vor dem finalen Siebenmeter bei sechs verbleibenden Sekunden einen Spielstand von 32:32 aus, zwischen der zweiten Saisonniederlage der Berliner und einer Punkteteilung stand also nur noch: Petr Stochl. Hamburgs Rechtsaußen Hans Lindberg machte seinem Ruf als einer der sichersten Siebenmeterschützen der Liga allerdings alle Ehre. Unter tausenden Pfiffen verwandelte der Däne ganz souverän zum 33:32-Endstand für die Gäste.

„Ich muss mich bei meiner Mannschaft bedanken und ihr ein Riesenkompliment machen, das war ein Statement, ein großes Match“, sagte Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson trotz der ersten Heimniederlage in dieser Saison. „Dieses Spiel kann so und so ausgehen“, bestätigte Hamburgs Coach Martin Schwalb, „heute hatten wir zum Glück das bessere Ende.“

Von Beginn an sahen 9000 Zuschauer in der in dieser Saison zum zweiten Mal ausverkauften Max-Schmeling-Halle das erwartet hochklassige und enge Match. Allein in der ersten Halbzeit wechselte die Führung sechs Mal, wobei sich unter den ganzen Offensivkünstlern zwei Spieler besonders hervortaten: Bei den Füchsen zeigte Linksaußen Fredrik Petersen ein herausragendes Spiel gegen seinen Ex-Klub, bei den Hamburgern führte der Kroate Domagoj Duvnjak gewohnt spielstark Regie. „Insgesamt haben beide Teams in der ersten Halbzeit ihre Defensive vernachlässigt“, sagte Schwalb nach dem Spiel. Trotz einer kritischen Vier-gegen-Sechs-Unterzahl erspielten sich die Füchse bis zur Pause eine kleine Führung –19:16.

Nach der Pause antworteten die Hamburger ihrerseits mit einem 5:1-Lauf, dem wiederum die Füchse eine starke Phase folgen ließen. „Es war ein Hin und Her auf hohem Niveau“, sagte Schwalb. Dummerweise passten sich zwei für das Spiel elementare Herren diesem Maßstab nicht an: Das Schiedsrichter-Gespann Lars Geipel/Marcus Helbig legte einige Regeln sehr merkwürdig aus, ließ über die gesamte Spielzeit eine klare Linie vermissen und traf teils hanebüchene Fehlentscheidungen – jedoch auf beiden Seiten. Wenngleich der Berliner Sven-Sören Christophersen nach dem Spiel zu Protokoll gab, dass „wir uns schon ein wenig benachteiligt gefühlt haben“, fehlte den Füchsen im zweiten Durchgang phasenweise die Cleverness.

Nach einem unnötigen Ballverlust, der das zwischenzeitliche 30:32 zur Folge hatte, brachte Pavel Horak die Gastgeber mit zwei Geschossen aus dem Rückraum zwar wieder ins Spiel zurück und glich zum 32:32 aus. Der letzte Angriff gehörte jedoch dem HSV – und die Norddeutschen spielten ihn gut aus. Eben wie ein Champions-League-Sieger.

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