Sport : Sechs Spieler sind krank – Borowski muss bangen

Michael Rosentritt

Palma de Mallorca - Das starke nächtliche Gewitter war nicht die einzige Unannehmlichkeit, die die deutsche Mannschaft in ihrem EM-Vorbereitungsquartier „Son Vida“ auf Mallorca überfiel. Joachim Löw bekam unangemeldeten wie unangenehmen Besuch. Es war ein unsichtbarer Gast, der sich nachts in die Suite des Bundestrainers schlich. Einer, auf den er liebend gern verzichtet hätte: Der Bundestrainer wurde von Zahnweh heimgesucht.

Allerdings ließ der Bundestrainer sich dadurch nicht davon abhalten, das Training am gestrigen Nachmittag zu leiten, bei dem auch Kapitän Michael Ballack zur Mannschaft stieß. Das Training fand in Homburg statt, wohin die Mannschaft gereist war. Heute wird in Kaiserslautern gegen Weißrussland das vorletzte Testländerspiel vor der EM stattfinden.

Ein Zusammenhang zwischen Zahnweh und der bevorstehenden Endausscheidung im internen Euro-Casting aber dürfte kaum bestehen. Gleichwohl wird es nicht ohne Schmerzen gehen, wenn Löw am Mittwoch drei Spielern mitteilt, dass sie nicht zum endgültigen EM-Kader gehören. Das wird dann schon wieder auf Mallorca passieren, denn den Rückflug aus Kaiserslautern werden alle Kandidaten antreten. „Es geht uns darum, es mit Stil zu machen“, sagt Hans Flick, Löws Assistenztrainer.

Allerdings blieben gleich sechs Spieler auf der Insel, um Blessuren auszukurieren oder Infekte und Viren abzuschütteln. So leidet der Bremer Tim Borowski immer noch an den Ausläufern einer Grippe, der Berliner Arne Friedrich ringt mit einem Magen-Darm-Virus. Torwart René Adler, der Schmerzen im Beckenbereich hat, soll unter physiotherapeutischer Anleitung aufgepäppelt werden, wie auch Mario Gomez, dem die Wade zwickt. Schließlich wurden Kevin Kuranyi und Simon Rolfes Schonung verschrieben. Beide hatten die meisten Einsatzzeiten in den vergangenen Monaten.

Während fünf dieser sechs Fälle den Trainern wenig Sorgen bereiten, droht Tim Borowski das EM-Aus. Der Mittelfeldmann hat bisher als Einziger an keinem Training teilgenommen. Ihm fehlt somit die Grundlage. Löw, der viel von Borowski hält, wird wägen müssen, ob er dieses Restrisiko eingehen möchte. Es gilt nicht als unmöglich, den körperlichen Rückstand bis zum EM-Start aufzuholen.

Die eigentlichen Wackelkandidaten, die Stürmer Patrick Helmes und Oliver Neuville sowie die Mittelfeldspieler Jermaine Jones, Piotr Trochowski und David Odonkor, werden sich vermutlich gegen Weißrussland noch einmal zeigen dürfen. Löw darf sechsmal wechseln, damit könnten 17 der 20 gesunden Spieler zum Einsatz kommen. Der Bundestrainer beabsichtigt wohl, das volle Auswechselkontingent ausschöpfen zu wollen. „Ich möchte nicht in der Haut des Trainers stecken“, sagte gestern Miroslav Klose. „Ich habe in den Trainingseinheiten gesehen, dass es sehr schwer werden wird für ihn. Alle spielen einen riesen Ball.“

Wie gut, dass der Bundestrainer sich dann wieder aufs Wesentliche konzentrieren kann. Er ließ ausrichten, dass er sich für gestern Nachmittag einen Termin habe geben lassen – beim Zahnarzt versteht sich. Michael Rosentritt

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