Sport : Sechs Tage für Olympia

Die Radprofis Bartko und Fulst fahren in Berlin auf Sieg

Hartmut Moheit

Einfach ist es nicht, Otto Ziege einen Wunsch zu entlocken. Seit der 78-Jährige im Oktober 1958 zum ersten Mal als Sportlicher Leiter beim Berliner Sechstagerennen fungierte, gab es nach seiner Bewertung „wohl nichts, was es nicht schon gab“ – auch diverse Siege von Berliner Profis. Bis die Ära nach 1973, als Wolfgang Schulze und der Münchner Sigi Renz in der Deutschlandhalle letztmals gewannen, plötzlich beendet war. „Es wird mal wieder Zeit“, sagt Ziege. Obwohl ihn die Funktion des Sportlichen Leiters zur Neutralität verpflichtet, spricht er in diesem Zusammenhang von einem möglichen Höhepunkt für die Fans der Stadt.

Beim 93. Berliner Sechstagerennen im Velodrom an der Landsberger Allee, das am Donnerstag in der kommenden Woche um 20 Uhr gestartet wird, traut Otto Ziege den mehrmaligen Bahn-Olympiasiegern Robert Bartko und Guido Fulst diesen Coup zu. Beide haben zwar noch nie bei Sixdays gewonnen, aber 2004 ist für sie nun mal kein Jahr wie jedes andere. „Wir wollen beide zu Olympia nach Athen, und als Vorbereitung darauf passen die sechs Tage sehr gut“, begründet Robert Bartko seinen Start. Gestern weilte er noch in Holland zur Präsentation seines Rabobank-Straßenteams. Guido Fulst, zuletzt Achter in Bremen und ab heute beim Stuttgarter Rennen auf der Bahn, gibt seinem Gold-Kameraden von Sydney Recht: „Berlin wird ein Höhepunkt für uns. Ein paar Tage später, bei der nationalen Olympiaausscheidung in Frankfurt (Oder), müssen wir Bahnfahrer in Topform sein.“

In Bestform sind bereits die Schweizer Bruno Risi und Kurt Betschart, die in der Nacht zum Mittwoch das Bremer Sechstagerennen gewannen. Für die Vorjahrssieger von Berlin war es der dritte Erfolg in diesem Winter und der 34. insgesamt.

„Sie sind immer der Maßstab“, sagt Otto Ziege deswegen. Dann zählt er weitere Mannschaften auf, denen er den Erfolg bei seinem 60. Einsatz als Sportlicher Leiter zutraut: Kappes/Beikirch, Slippens/Stam, Villa/Marvuli, Gilmore/McGrory. Etwas Besonderes wäre es für ihn nicht, würde eines der fünf Teams bei diesem „krisenfesten Event“, wie Sechstagechef Heinz Seesing die Veranstaltung bezeichnet, gewinnen. Ein Erfolg von Bartko/Fulst wäre etwas ganz Besonderes.

„Wir werden von Anfang an offensiv fahren“, sagt Fulst, „dann haben wir die Zuschauer hinter uns.“ Vom Sportlichen Leiter Otto Ziege haben die Berliner das Trikot des Hauptsponsors, das mit der Nummer eins bekommen. Das ist kein Zufall, auch Otto Ziege hat noch Wünsche offen.

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