Sport : Sechs Tage Zabel

Es besteht Hoffnung, dass den Sixdays die Stars nicht ausgehen

Hartmut Moheit

Berlin. War es Enttäuschung, Erschöpfung oder der Gedanke an das Karriereende – Silvio Martinello verzog keine Miene. Dann nahm er doch den Arm von Bruno Risi, dem Schweizer, hob ihn hoch und genoss mit ihm gemeinsam den tosenden Jubel der 12 000 Fans in der Berlin Arena. Risi hatte den finalen Sprint gewonnen und gemeinsam mit seinem Landsmann Kurt Betschart das 92. Sechstagerennen. Zum ersten Mal triumphierten die Schweizer in Berlin, im siebenten Anlauf. Die gemeinsame Ehrenrunde der beiden Radprofis Martinello und Risi hatte etwas Symbolisches: Es waren die Meter des abtretenden Kapitäns aller Sechstagefahrer und die seines designierten Nachfolgers.

Aber mit Martinello hat sich zugleich auch ein Publikumsliebling verabschiedet. So einer, ohne den kein Sechstage-Veranstalter auskommt. Auch in diesem Punkt könnte Risi mit seinem unnachahmlichen Kampfstil den Italiener beerben. Könnte, denn noch bevor das Sechstagerennen an der Landsberger Allee beendet war, jubelten die Zuschauer einem anderen Fahrer zu, der Risi diesen Status sofort abnehmen würde, sofern er nur startet: Erik Zabel. Der gebürtige Berliner und Kapitän des Teams Telekom brachte die Halle allein mit einer Ankündigung zum Kochen. Zabel versprach über das Mikrofon seinen „Start bei den Sixdays in den kommenden Jahren“. Und fast die komplette Führungsetage des Bonner Unternehmens hörte im VIP-Bereich mit. Ob der spannende Schlusstag dazu beigetragen hat, Vorurteile gegen den Start von Straßenfahrern unter dem Hallendach abzubauen, wird das Starterfeld des 93. Sechstagerennens zeigen.

In diesem Jahr wurde den Telekom-Profis der Start wegen der erhöhten Verletzungsgefahr auf der Winterbahn offiziell verboten. Die Begründung: Keiner sollte sich vor der Straßensaison verletzen. Diese Entscheidung verstanden weder die Organisatoren noch die Fahrer. Nun aber, nach der Ankündigung von Erik Zabel, ist auch Rolf Aldag zuversichtlich, dass auch er wieder auf dem Lattenoval bolzen darf. Jener Aldag, der ebenfalls das Zeug zu einem Star im Sechstagegeschäft hat. „Ich denke, im nächsten Jahr darf ich wieder starten“, sagte Aldag.

Risi, Zabel, Aldag – was wäre das 2004 für ein Trio? Mit ihnen als Kontrahenten gäbe es zugleich ein Zeichen gegen den Trend, dass den Sechstage-Veranstaltern langsam die Stars ausgehen. Was auch für Berlin zu befürchten war, als Silvio Martinello seinen Rücktritt vor den 92. Sixdays angekündigt hatte. Die Hoffnung lebt.

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