Sport : Sechs Tore durch fünf Spieler

Eisbären gegen Krefeld ausgeglichener besetzt

Claus Vetter

Krefeld - Die Rheinlandhalle und der Königpalast sind nur durch eine Straße getrennt. Genau gegenüber der alten Krefelder Eissporthalle glänzt die silberfarbene moderne Arena. Im Schatten des neuen Stadions der Krefeld Pinguine wirkt das alte Stadion mausgrau und mickrig, doch für die Fans des Eishockey-Klubs ist es ein Denkmal. In der Rheinlandhalle haben die Pinguine im Jahr 2003 erfolgreich um die Meisterschaft gespielt. Nach dem Titelgewinn haben sie in Krefeld dann den Königpalast gebaut – und seitdem nie wieder so gut Eishockey gespielt wie 2003.

Kein Wunder, dass sich der Klub gern an die Play-offs von 2003 und auch an die damals gewonnene Halbfinalserie gegen die Eisbären erinnert. Zumal es die Pinguine zurzeit im Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft mit den Berlinern zu tun haben. Am Mittwoch hatte der Außenseiter sogar 4:2 in Berlin gewonnen und durfte von mehr träumen. Nach der Überraschung im ersten Spiel der nach dem Modus „Best of seven“ ausgetragenen Serie sagte Krefelds Geschäftsführer Wolfgang Schäfer: „Es wäre schön, wenn beim Spiel gegen Berlin die Begeisterung von 2003 wieder aufleben würde.“ Da wurde Schäfer nicht enttäuscht. Die Stimmung im Königpalast erinnerte am Freitag an die Atmosphäre der Rheinlandhalle, das Ergebnis allerdings nicht: Die Eisbären siegten 6:1 und glichen die Serie zum 1:1 aus.

Von einer „schwarz-gelben Hölle am Niederrhein“, die in der Krefelder Stadionzeitung angekündigt wurde, bemerkten die Eisbären nichts. „Die tolle Atmosphäre hier in der Halle hat uns mehr motiviert als irritiert“, sagte Trainer Pierre Pagé. Endlich sei seine Mannschaft geistig in den Play-offs angekommen. Auf einen seiner Spieler traf das besonders zu: Derrick Walser. Der Kanadier erzielte nach sehenswerter Einzelleistung das erste Tor für die Eisbären, ein „ganz großes Tor“, wie Pagé fand. Das Lob des Trainers wiederum war dann Walser ein wenig peinlich. Der Sieg sei ein Sieg des Teams. „Dass unsere sechs Tore von fünf Spielern erzielt wurden, zeigt, wie ausgeglichen wir sind“, sagte Walser. „Bei uns kann jeder ein Tor schießen, wir sind nicht so einfach auszurechnen.“

Ähnliches lässt sich vom Berliner Viertelfinalgegner nicht behaupten. Die Krefelder wirkten erschöpft. Das lag wohl daran, dass Trainer Teal Fowler seine wenigen Stars zu häufig einsetzt. Der technisch beschlagene Russe Alexander Seliwanow etwa bewegte sich im letzten Drittel nur noch sehr sparsam. Dass die Serie im Zwei-Tage-Rhythmus ausgetragen wird, sollte den besser besetzten Eisbären entgegenkommen. Es ist nicht davon auszugehen, dass Seliwanow und Kollegen heute beim dritten Spiel in Berlin (14.30 Uhr, Sportforum, Liveübertragung auf Premiere) viel schneller auf dem Eis unterwegs sind als in Spiel zwei – auch wenn Walser befürchtet, „dass die Krefelder noch einmal all ihre Kräfte mobilisieren werden“. Das aber sollte die Berliner nicht irritieren. Schließlich haben sie Stärke demonstriert und den Gegner demoralisiert. „Wir haben Krefeld gezeigt, dass wir sechs Tore schießen können“, sagt Berlins Mannschaftskapitän Steve Walker, „um diese bittere Erfahrung sind die Pinguine nun reicher.“

Sechs Gegentore? So etwas ist Krefeld 2003 in der Rheinlandhalle nicht passiert.

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