Sport : Sechs vertane Stunden

Hertha BSC hat sein 360 Minuten kein Tor geschossen – beim Aufsteiger Frankfurt hieß es wieder nur 0:0

André Görke

Frankfurt. Die letzte Hoffnung hieß Roberto Pinto. Es ist Samstagnachmittag, im Frankfurter Waldstadion sind noch zehn Minuten zu spielen: Fredi Bobic, der Stürmer von Hertha BSC, schlägt den Ball in den Strafraum, perfekt auf den hinteren Pfosten, direkt in den Lauf von Roberto Pinto. Jetzt ist die Chance da, jetzt hat Pinto die Möglichkeit, sich bei Hertha wieder ins Geschäft zu bringen. Ist der Ball drin, ist es das erste Tor von Hertha BSC. Der Ball fliegt, Pinto rennt, Pinto schaut, Pinto köpft – vorbei. Der Berliner sinkt zu Boden, legt den Kopf auf den Rasen, seine Hände verdecken sein Gesicht. Wieder kein Tor für Hertha, wieder kein Sieg. Wieder 0:0. Diesmal gegen Eintracht Frankfurt. Es ist das vierte Bundesligaspiel ohne Torerfolg in Serie für die Berliner. 360 Minuten erfolglos, sechs vertane Stunden.

Roberto Pinto steht längst unter der Dusche, als sein Trainer Huub Stevens losblafft: „Immer diese Fragen nach den Toren, das kotzt mich an!“ Stevens ist geladen, er schwitzt. „Es gibt tausend Möglichkeiten, ein Tor zu erzielen. Aber das ist nun mal das Schwierigste im Fußball.“ Ja, er übernehme die volle Verantwortung für die Erfolglosigkeit. „Doch muss ich deswegen nichts mehr trinken, nichts mehr essen? Das Leben geht doch weiter.“

Schlecht hatte es nicht einmal begonnen vor 22 500 Zuschauern im ausverkauften Waldstadion, das wie das Berliner Olympiastadion eine Baustelle ist. „Die ersten zwanzig Minuten waren gut, da haben wir die Räume eng gemacht“, sagt Stevens. „Die Frankfurter kamen gar nicht erst ins Spiel.“ Nach 19 Minuten war es Bart Goor, der aus 20 Metern einen Freistoß über die Frankfurter Mauer hinwegschoss, doch Eintracht-Torhüter Oka Nikolov lenkte den Ball neben den Pfosten. Es folgten weitere guten Chancen, doch sie brachten alle nichts ein.

Die beiden Berliner Stürmer Fredi Bobic und Nando Rafael, eigentlich für Tore zuständig, konnten sich nicht in Szene setzen. Und Bartosz Karwan, für den am Rücken verletzten Andreas Neuendorf aufgelaufen, fiel in der ersten Halbzeit nur auf, als er bei einem Laufduell den Linienrichter umriss. Kurz nach der Halbzeit nahm ihn Stevens vom Platz und brachte Thorben Marx ins Spiel. „Da haben wir wieder zu unserer Ordnung gefunden und keine Räume zugelassen“, sagte Stevens.

Wenigstens auf Herthas Dreier-Abwehrkette war Verlass. Doch nach einer halben Stunde wurde sie gesprengt. Bei einem Zweikampf mit Ervin Skela verletzte sich Abwehrchef Dick van Burik am linken Knie, blieb am Boden liegen und musste vom Spielfeld getragen werden. Er wird am nächsten Wochenende in der ersten Runde des DFB-Pokals in Reutlingen ausfallen.

Trainer Stevens hatte in den letzten Minuten alles versucht und sogar die Abwehrkette aufgelöst. Als Goor vom Platz ging, rückte Michael Hartmann ins Mittelfeld vor, über die rechte Seite sollte Roberto Pinto für Gefahr sorgen. Wie gefährlich das letztendlich war, konnten Stevens und Hoeneß zehn Minuten vor Schluss sehen. Nur gut, dass die Sperre von Artur Wichniarek nun abgelaufen ist. Vielleicht trifft er mal ins Tor.

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