Sport : Sechs vertane Stunden

Hertha BSC hat seit 360 Minuten nicht ins Tor getroffen – bei Aufsteiger Frankfurt reichte es nur zum 0:0

André Görke

Frankfurt (Main). Als der Schlusspfiff im Frankfurter Waldstadion ertönte, machte Dieter Hoeneß eine abwertende Handbewegung. Des Managers Enttäuschung war verständlich. Nach drei enttäuschenden Saisonspielen wollten die Fußballprofis von Hertha BSC endlich nicht nur das erste Saisontor, sondern auch den ersten Saisonsieg schaffen – aber selbst beim Tabellenletzten und Aufsteiger Eintracht Frankfurt klappte das nicht. Vor 22 500 Zuschauern sprang wieder nur ein trostloses 0:0 heraus. Hertha steckt mitten in der Krise. Seit 360 Minuten hat die Mannschaft nichts ins Tor getroffen.

Trainer Huub Stevens saß ruhig auf seinem Stuhl. Doch der Eindruck täuschte. „Ich leide genauso wie die Fans“, hatte Stevens kürzlich nach dem torlosen Unentschieden gegen Freiburg gesagt. Auch gestern litt er.

Wieder gab es für die von Stevens trainierten Herthaner Chancen zuhauf, doch wieder wurden sie alle vergeben. Das herbeigesehnte Tor fiel nicht. Allein Bart Goor, der erstmals in dieser Saison eine starke Leistung in der Offensive bot, hatte drei Möglichkeiten. Die beste davon machte Frankfurts Torhüter Nikolov zunichte, als er bei einem scharf geschossenen Freistoß den Ball souverän aus der bedrohten Ecke holte.

Von Herthas eigentlichen Sturmspitzen war dagegen wenig zu sehen. Bobic und Rafael waren eifrig, aber harmlos. Wobei sie es allerdings nicht leicht hatten, denn die Gastgeber suchten ihr Heil vor allem in der Defensive. Vorn standen mit Jones und Cha zwei – allerdings schwache – Sturmspitzen, dahinter machte Skela hin und wieder Druck – der Rest war mit Abwehraufgaben beschäftigt. Offenbar hatte die Eintracht großen Respekt vor den Herthanern, mochte der bislang in dieser Saison auch nicht gerechtfertigt sein.

Gabor Kiraly im Hertha-Tor wurde bei der auffällig defensiven Haltung der Hessen lange Zeit kaum beschäftigt. Am ehesten noch bei einem Freistoß von Tsoumou-Madza. Der Kongolese schoss scharf aus rund 30 Meter Torentfernung, und der Ungar hatte einige Mühe, den Ball abzuwehren. Ansonsten aber hatte die Dreier-Abwehrkette der Berliner mit Friedrich, van Burik und Rehmer kaum Probleme.

Das Fehlen Simunics machte sich da kaum bemerkbar. Stevens musste ohnehin auf mehrere Stammspieler verzichten. Marcelinho fehlt weiterhin, auch Neuendorf war kurzfristig ausgefallen, Wichniarek war gesperrt. Für ihn hätte Luizao nach seiner Verletzungspause eingesetzt werden können, doch der Brasilianer ist noch nicht fit. So bekam der Angolaner Rafael seine Chance.

Die Personalsorgen Herthas wurden nach einer Stunde noch größer. Da prallte Mannschaftskapitän van Burik mit Skela zusammen und blieb liegen. Nach kurzer Behandlungspause war klar: Der Niederländer würde nicht mehr spielen können. Mit einer Trage wurde van Burik, schon oft ein Opfer von Verletzungen, vom Platz getragen.

Für ihn kam Mladenow ins Spiel. Zuvor war schon Marx für Karwan eingewechselt worden. Der Pole, wie Kovac und Rehmer verwarnt, hatte nicht viel anrichten können. Der ebenfalls hinter den Spitzen spielende Goor war da wesentlich effektiver, wenn auch nicht erfolgreich.

Auf den Rängen der Baustelle Waldstadion machte sich langsam die Hoffnung breit, die Frankfurter würden Hertha vielleicht doch bezwingen können. Als Kovac im Strafraum hart gegen Skela einstieg, forderten die Fans Elfmeter. Doch der gute Schiedsrichter Koop aus Lüttenmark ließ sich nicht beirren und ließ weiterspielen.

Stevens versuchte es noch mal mit einem Spielertausch. Goor, stark gestartet, war offenbar mit seinen Kräften am Ende. Für ihn kam Pinto. Und der kleine Portugiese hatte noch einmal eine Chance. Nach einer Flanke von Bobic köpfte er – daneben. Es blieb beim 0:0. Wieder gab es kein Hertha-Tor, wieder gab es eine große Enttäuschung.

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