Sport : Sechser oder kein Sechser?

Investorenmodell spaltet den Hamburger SV

Erik Eggers

Hamburg – Eine Bühne war aufgebaut auf dem Rasen des Stadions im Hamburger Volkspark, wie bei einem Rockkonzert. Das Ambiente war angenehm bei der Mitgliederversammlung des Hamburger SV mit mehr als 1000 Teilnehmern. Die Debatte hingegen, die am Dienstagabend um das neue Investorenmodell „Anstoß“ entbrannte, war heftig. In einer fast einstündigen Verteidigungsrede referierte Vorstandschef Bernd Hoffmann, was ohnehin schon bekannt war: Dass der HSV-Vertragspartner Kühne-Holding, hinter dem Klaus-Michael Kühne steckt, der es mit Logistik zum Milliardär gebracht hat, dem Klub bis zu 15 Millionen Euro zur Verfügung stellt, geteilt in zwei Tranchen: Für die Zahlung von jeweils 7,5 Millionen Euro wird Kühne zu jeweils einem Drittel beteiligt an den zukünftigen Transfererlösen der HSV-Profis Dennis Aogo, Paolo Guerrero und Marcell Jansen sowie an Erlösen aus der Jugendarbeit.

Hoffmann rühmte den Deal als „Sechser mit Zusatzzahl“. Er verwies auf die „herausragende wirtschaftliche Verfassung“ des HSV, der als einziger Klub der Fußball-Bundesliga noch als eingetragener Verein organisiert ist. Der Kontostand belaufe sich auf 44,6 Millionen Euro. Dennoch hält er Zusatzeinnahmen wegen des teuren Stadionkredits und des Verfehlens eines internationalen Wettbewerbs für dringend notwendig. In der Europa League habe man im Schnitt acht Millionen Euro eingenommen.

Den Kernvorwurf bestritt Hoffmann: Kühne habe keine Einflussmöglichkeiten auf die Transferpolitik: „Der HSV entscheidet noch immer alles selbst.“ Kühne hatte im „Hamburger Abendblatt“ erklärt: „Ich habe weder Zeit noch Lust dazu, einen Fußballverein mitzuregieren. Niemand braucht sich sorgen, dass ich mitreden will.“ Viele Mitglieder aber bezweifeln dies. „Die Unabhängigkeit des HSV ist in Gefahr“, sagt Ex-Präsident Jürgen Hunke. Rechtsanwalt Claus Runge, einst Vorsitzender des HSV-Ehrenrates, sieht in der Konstruktion einen Verstoß gegen die Satzung: „Das ist nichts anderes als eine wirtschaftliche Teilausgliederung des Vereins.“ Nicht ausgeschlossen, dass er das Investorenmodell juristisch anfechten wird. Erik Eggers

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