Sport : Seelers Enkel

Stefan Hermanns

über die schwierige Mission des Lukas Podolski So ein Turnier wie der Confed-Cup funktioniert immer auch ein bisschen wie ein Katalysator. Es greift Tendenzen auf, die es vorher schon gegeben hat, verstärkt und intensiviert sie. Vor drei Jahren hat die Extremerfahrung Weltmeisterschaft innerhalb von sechs Wochen aus dem Menschen Oliver Kahn den unmenschlichen Titanen gemacht. Und wie schnell eine solche Wandlung vonstatten geht, erfährt nun Lukas Podolski: Prinz Poldi ist längst kein kölscher Regionalfürst mehr, Podolski ist jetzt unser aller Liebling, der Fußballer, auf den sich das ganze Volk verständigen kann. Der Enkel von Uwe Seeler sozusagen.

Uwe Seeler hat jahrzehntelang ehrlich arbeiten müssen, um zum nationalen Symbol zu werden; bei Podolski haben anderthalb Jahre zur Heldenwerdung genügt. Er ist gerade 20 geworden, und wird doch immer mehr mit den nationalen Hoffnungen beladen. Als beim Halbfinale des Confed-Cups das deutsche Spiel zeitweise ein bisschen stotterte, fingen die Zuschauer in Nürnberg plötzlich an, Podolskis Namen zu rufen. Nur Podolski kann Deutschland noch retten.

Natürlich ist es gut, dass der deutsche Fußball Podolski hat. Zum einen, weil er eine außergewöhnliche Begabung ist; zum anderen, weil er beim 1. FC Köln spielt. Bisher sind die Deutschen nur Weltmeister geworden, wenn ein Kölner für die Nationalelf gespielt hat: 1954 Hans Schäfer, 1974 Wolfgang Overath, 1990 Bodo Illgner, Thomas Häßler und Pierre Littbarski. Sicher, das ist nur blöder Aberglaube. Aber was ist schon rational rund um Prinz Poldi? Dass Lukas Podolski gegen Brasilien ein Kopfballtor erzielt hat, ist doch der beste Beweis dafür, dass alles, wirklich alles, möglich ist.

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