Segeln - America’s Cup : Silberkanne für die Revolutionäre

BMW Oracle lässt Alinghi auch im zweiten Rennen keine Chance und gewinnt erstmals den America’s Cup.

Ingo Petz[Valencia]

Am Ende verschwindet die Sonne vollends und die Alinghi segelt in der bläulichen Dämmerung dem Ziel entgegen. Das Schicksal des Titelverteidigers im America’s Cup ist längst besiegelt. Die Schweizer verlieren das zweite Rennen in der 33. Auflage der Traditionsregatta schließlich mit 5,26 Minuten Rückstand und damit jenen Pokal des Segelsports, den Alinghi als erstes europäisches Team in der 1851 erstmals ausgetragenen Regatta 2003 gewann. Auf dem Trimaran von BMW Oracle klatschen Russell Coutts, Geschäftsführer des US-Teams, und Software-Milliardär Larry Ellison, ihre Segler-Kollegen ab. „Es war ein verdammt spannendes Rennen und es ist ein verdammt gutes Gefühl gewonnen zu haben“, ruft Steuermann James Spithill.

Erstmals gewinnt BMW Oracle den America’s Cup. Damit geht der Preis erstmals nach 1992 wieder in die USA. Ironischerweise ist es ausgerechnet der Neuseeländer Coutts, der den Cup 1995 in San Diego für sein Heimatland gewann, der ihn nun in die Staaten zurückbringt. Der jetzt viermalige Cup-Sieger, der 2003 und 2007 den Cup für Alinghi gewann, war allerdings nur im zweiten Rennen an Bord der USA 17, ebenso wie Teameigner Ellison. Das erste Duell, das BMW Oracle am Freitag sehr klar gewann, hatten Coutts und Ellison noch von einem Begleitboot aus verfolgt.

Sechs zermürbende Stunden mussten Segler und Fans vor Valencia warten, bis sich ein stabiler Wind von sechs Knoten im Startbereich des 39 Seemeilen-Kurses einstellte. Um 16.25 Uhr startete Wettkampfleiter Harold Bennett das zweite Rennen. Und wie schon im ersten Aufeinandertreffen der beiden Riesenboote verpatzt Alinghi-Eigner und -Steuermann Ernesto Bertarelli den Start. Weil der Schweizer Katamaran fünf Minuten vor dem Start noch nicht in die Startbox gesegelt war, kassiert der Titelverteidiger einen Strafkringel. Spithill geht mit leichtem Vorsprung auf den Kurs. Es dauert fünfzehn Minuten, bis Alinghi überraschend die Führung übernimmt. Die Schweizer Yacht wirkt anders als im ersten Rennen wesentlich kraftvoller und spritziger. Ein spannendes Rennen bei schwierigen Bedingungen entwickelt sich. Die Schweizer segeln dabei zeitweise auf über 700 Meter davon. An der ersten Wendemarke hat die USA 17 wieder einen kleinen Vorsprung.

Und dann zeigt sich der Vorteil, den das US-Schiff bereits im ersten Rennen in eine Rakete verwandelte. Mit einer Spitzengeschwindigkeit von über 30 Knoten rast das US-Schiff über die Vorwind-Strecke. Das 68 Meter hohe Flügel-Segel liegt optimal hoch am Wind. Nach wenigen Minuten hat der Trimaran einen Vorsprung von über 1200 Metern. Für Alinghi ist das Rennen verloren. Das von dem bayerischen Autobauer seit 2002 gesponserte Team gewinnt, weil es das schnellere Boot gebaut hat. Auch Deutschland darf sich über zwei neue America’s-Cup-Sieger freuen. Die BMWIngenieure Thomas Hahn und Christoph Erbelding waren entscheidend an der Entwicklung des gigantischen Trimarans und des revolutionären Segels beteiligt.

Als der Alinghi-Katamaran in den Hafen fährt, jubeln hunderte Valencianer dem Verlierer zu, der den Cup 2007 in der spanischen Mittelmeerstadt verteidigt hatte. Kurze Zeit später stemmt Bertarellis Erzfeind Ellison die „Silberkanne“ in die Höhe. „Dies ist der stolzeste Tag meines Lebens“, bejubelt er seinen ersten Cup-Sieg. Trotz des überragenden sportlichen Erfolgs ist dieser Sieg teuer erkauft. Über 250 Millionen Euro soll der Software-Milliardär in die High Tech-Schlacht gesteckt haben. Die war nur zustande gekommen, weil sich Bertarelli und Ellison über 30 Monate vor Gericht beharkt hatten. Nun steht der Sieger dieses historischen Streits fest. Die Segelwelt kann endlich aufatmen.

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