Segeln : Historischer Fehlstart vor Valencia

Beim America's Cup in Valencia ist nach der Flaute der letzten Tage weiterhin keine Besserung in Sicht. Nun hilft nur noch Hoffen.

Valencia - Nach dem historischen Fehlstart in die Herausforderer-Runde sind die Wetterexperten beim America's Cup gefragt wie nie. Wegen der anhaltenden Flaute vor Valencia musste auch der dritte Wettkampftag in Serie komplett abgesagt werden. Statt der benötigten Windstärke von sieben Knoten zeigten die Mess-Instrumente gerade einmal zwei bis drei Knoten an. Und die Aussichten für den Rest der Regattawoche bis Samstag sind nicht günstiger. "Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber die Chancen stehen auch für die kommenden Tage nicht gut", sagte der Wetterberater des deutschen Teams, Dr. Meeno Schrader. Einen ähnlich verzögerten Auftakt hat es in der Cup-Geschichte noch nicht gegeben.

Auch US-Segelstar Paul Cayard, der in Valencia als Fernseh-Kommentator im Einsatz ist, staunte: "Ich kann mich nicht erinnern, dass der Louis Vuitton Cup jemals so begonnen hätte. Es ist ein Rekord, der auch in Zukunft schwer zu schlagen sein wird." Die Ausfallserie lähmt nicht nur die Herausforderer-Flotte der elf Yachten aus neun Ländern, sondern auch die Zuschauer und vor allem die Live-Berichterstattung der internationalen Fernsehsender. Allen voran hatte sich das ZDF für seinen Großeinsatz in Valencia mit zweistündigen Live-Übertragungen alle zwei Tage viel vorgenommen und muss nun unverschuldet um Quoten bangen. Am Mittwoch beendete der Sender seine Schaltung nach Valencia nach einer guten Viertelstunde.

"Wir reden über alles - nur nicht über Segeln"

In Neuseeland erinnerte die Tageszeitung "New Zealand Herald" an die letzte dramatische Ausfallserie, die das 31. Match um den Cup beinahe zur Farce hatte werden lassen. Allen, die damals in Auckland waren, erscheint die spanische Flaute wie ein kleines Déjà-vu: Ende Februar 2003 waren neun Renntage nacheinander zu starken oder zu leichten Winden zum Opfer gefallen. "Damals haben alle unser schönes Revier niedergemacht", erinnerte sich Admirals-Cup-Gewinner und Fernsehkommentator Peter Lester aus Neuseeland, "nun sieht man, dass auch vermeintlich windsichere Reviere nicht besser sind."

Gleichzeitig wirbeln die Ausfälle in Valencia auch das geplante Segelprogramm durcheinander. Die Teams treffen nun nicht mehr in der Reihenfolge aufeinander, die sie sich mit ihren Ergebnissen in den 13 Vorregatten verdient hatten. Die Sportler reagierten darauf aber gelassener als die enttäuschten Zuschauer. Team Germanys Skipper Jesper Bank sagte über die stundenlange Warterei auf See: "Es ist nicht schwierig, da draußen einen Tag mit den Seglern zu verbringen. Es ist immer lustig. Wir reden über alles - nur nicht über Segeln."

Dass die Segler kein Interesse an Starts bei unsicheren Bedingungen haben, betonte Tim Kröger, der Hamburger Boat Captain des südafrikanischen Teams Shosholoza. "Ganz viele Leute investieren hier ganz viel Geld für faire Rennen. Wir sind nicht am Glücksspiel in flauen Winden interessiert und finden, dass die Wettfahrtleitung sehr professionell handelt", sagte er. "Flaute gehört im Segelsport leider auch dazu." (tso/dpa)

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