Segeln : Neuer Kurs: zurück zum Sport

Beim nächsten America’s Cup soll es wieder ums Segeln gehen – und nicht um juristische Winkelzüge.

Ingo Petz[Valencia]
BMW_Oracle
Klar zur Wende. Den 33. America's Cup entschied BMW Oracle klar für sich. -Foto: AFP

Am Ende schütteln sich Ernesto Bertarelli und Larry Ellison, die den America’s Cup mehr als 30 Monate mit einem juristischen Stellungskrieg und mit einer millionenschweren Materialschlacht in Atem gehalten hatten, doch noch die Hände. Alinghi-Eigner Bertarelli, der die Silbertrophäe an Ellisons BMW Oracle verloren hat, schüttelt auch Russell Coutts die Hand, umarmen will er seinen alten Freund nicht. Mit dem Neuseeländer hatte Bertarelli 2003 den Cup für Alinghi und erstmals für Europa gewonnen, mit ihm zerstritt er sich über die Regeln zur 32. Auflage des Cups. Coutts wechselte 2007 zu Bertarellis Widersacher Ellison. Coutts ist der Mann der Stunde. Der 48-Jährige gewinnt den Cup als Geschäftsführer des über 250 Millionen Euro schweren US-Teams und bringt ihn in die Staaten zurück, wo er ihn 1995 für Neuseeland erstmals gewann. Der 33. America’s Cup war am Sonntag vor Valencia mit einem klaren Sieg des technisch hoch überlegenen US-Teams zu Ende gegangen. Über dem Rennen zweier spektakulärer Boote, wie sie die Welt noch nicht gesehen hatte, lag der Schatten des monatelangen Rechtsstreits. Alinghi-Skipper Brad Butterworth antwortete auf die Frage, wie er das Duell vor Valencia beschreiben würde, kurz und knapp: „Kalt und dunkel.“

Die Schweizer hatten am Sonntag vor Valencia auch das zweite Rennen in der 33. Auflage der Traditionsregatta deutlich verloren, mit einem Rückstand von 5:26 Minuten. Eine Chance hatte Alinghi eigentlich nie. Das US-Team zeigte sich mit seinem revolutionären Flügel-Segel unschlagbar. „Die hatten einfach das schnellere Boot“, sagte Bertarelli über seinen Gegner. „Wir hätten nie gedacht, dass der Flügel derart effizient sein würde.“ Einige verbale Giftpfeile schoss Bertarelli dann doch in Richtung seines Gegners ab: Er bedaure sehr, dass „der Cup vor allem ein Ergebnis eines juristischen Streits“ gewesen sei.

Nach dem Cup ist vor dem Cup. Und so stellt sich nun bereits die Frage, wo, wann und wie die 34. Auflage der fast 160 Jahre alten Regatta stattfinden wird. Und nach welchem Modus und welchen Regeln. Ellison, der als Sieger das Recht hat, die Regeln der Titelverteidigung und ihre Organisation aufzustellen, verkündete nur, dass es eine unabhängige Jury geben werde. Zudem wolle man die teilnehmenden Teams in die Aufstellung der neuen Regeln einbeziehen. Spekulationen zufolge könnte es wie schon zwischen 2004 und 2007 Ausscheidungsrennen geben, wohl in Europa und den USA. Das Final-Match wird mit aller Wahrscheinlichkeit in San Francisco, wo der Yachtklub von BMW Oracle beheimatet ist, oder in Newport an der US-Ostküste stattfinden. Vor 2013 wird das aber sicher nicht sein. Als Challenger of Record, der Partner des neuen Cup-Siegers, dürfte bald wohl das italienische Team Mascalzone Latino verkündet werden. Dessen Eigner Vincente Onorato ist ein enger Freund Ellisons.

Es ist kein Geheimnis, dass Coutts eher ein Freund der herkömmlichen Kielyachten ist, wie sie auch beim 32. Cup im Einsatz waren. Diese wären wesentlich billiger als die schnellen und spektakulären, aber astronomisch teuren Mehrrümpfer – insgesamt gaben die beiden Teams für 280 Minuten Segelsport rund eine halbe Milliarde Euro aus. So hätten mehr Teams die Möglichkeit, an einer Herausforderung teilzunehmen. Zudem stellt sich die Fachwelt die Frage, ob das Team Alinghi, das den Cup zweimal gewinnen konnte, wieder antreten wird. „Wir werden uns die neuen Vorschläge anschauen und dann entscheiden“, sagte Bertarelli. Dann wurde Butterworth gefragt, was getan werden könne, damit Alinghi wieder antrete. Er sagte: „Schleppt uns nicht wieder vor Gericht!“

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