Sport : Sehnsucht nach dem schönen Spiel

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Stefan Hermanns über das Dilemma der deutschen Nationalmannschaft

Rudi Völler ist auch als Teamchef der deutschen FußballNationalmannschaft ein optimistischer Mensch geblieben. Wäre er Realist, hätte er sich seine Warnung nach dem 3:0 gegen Belgien wahrscheinlich erspart. Doch Völler sagte, dass man auch nach dem Sieg nicht alles durch die rosarote Brille sehen dürfe. Als wenn diese Gefahr hierzulande je bestanden hätte.

Im Hinblick auf seine Nationalmannschaft ist der Deutsche eher nörgelig. Das Spiel war kaum abgepfiffen, als Günter Netzer im Namen des Volkes seine ästhetischen Einwände vorbrachte. Wieder einmal hatte er ein schönes Spiel erwartet, und wieder einmal war er enttäuscht worden. Und nachdem Netzer auch noch Michael Ballack heftig kritisiert hatte, fehlte eigentlich nur noch, dass Völler seine Käse-Mist-und-Scheißdreck-Rede noch einmal auflegte.

Das deutsche Publikum hat sich noch nicht entschieden, was es von der Nationalmannschaft will. Immerhin hat sie das Jahr der Europameisterschaft mit einer Serie von zwei Siegen begonnen. Das ist schön. Doch in diesen Erfolgen steckt bereits der Keim des Zweifels, ob das Team spielerisch auch bei der EM bestehen kann. Das Volk möchte nämlich nicht nur erfolgreichen, sondern auch schönen Fußball sehen, aber diese Sehnsucht hat die Nationalelf schon lange nicht mehr erfüllt. Schönheit und Erfolg zusammen sind im Moment offensichtlich nicht zu haben. Schön und gut haben die Deutschen in den letzten beiden Jahren nur dreimal gespielt: im WM-Finale gegen Brasilien, gegen Holland und gegen Italien. Alle drei Spiele gingen verloren. Irgendwie ist das auch nicht das, was man sich vorstellt.

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