Sport : Sehnsucht nach Wärme

Lampater übt in Berlin für die WM in Kalifornien

Hartmut Moheit

Berlin - Leicht fällt es nicht, sich in einer dunklen Koje beim Sechstagerennen die mallorquinische Sonne vorzustellen. „Ein paar Tage habe ich ja noch Zeit, bis das Training dort beginnt“, sagt Leif Lampater, „außerdem soll dort noch Schnee liegen.“ Dem 22-Jährigen aus Schwaikheim ist deshalb gegenwärtig noch die Wärme im Velodrom lieber, wo er mit Thorsten Rund bei den 94. Sixdays fährt. „Nicht mit speziellen Zielen“, sagt er, den Saisonhöhepunkt für die Bahnfahrer bildet die Weltmeisterschaft Ende März in Los Angeles. In Kalifornien soll Lampater im deutschen Vierer in Bestform fahren, in dem er für Bundestrainer Bernd Dittert „eine feste Größe“ ist. 2004 war das Talent von der RSG Heilbronn schon bei den Olympischen Spielen in Athen und der Weltmeisterschaft dabei. Für eine Medaille reichte es aber noch nicht.

„Sechstagerennen sind eine gute Vorbereitung, aber nach dem dritten in Folge werden meine Beine langsam schwer“, sagt Lampater. Mit Bewunderung schaut er besonders auf einen Fahrer, dem er als Elfjähriger in Stuttgart erstmals begegnet ist: Bruno Risi aus der Schweiz. „Wenn der antritt, dann kann ich sein Hinterrad noch nicht halten“, sagt Lampater. Dann erzählt er von ihrer ersten Begegnung. „Vor dem Sechstagerennen in der Schleyerhalle fand ein offenes Training statt, und Risi fragte mich, wohl weil ich der Kleinste von allen war, ob ich auch mal Rennfahrer werden möchte.“ Er ist es dann einfach geworden.

Lampater, der sich als Spätentwickler bezeichnet, hat sich mit Risi, dem Star der Sechstage-Szene, über ihre erste Begegnung noch nicht unterhalten. „Das ist doch heute nicht mehr so wichtig, was damals war.“ Sein Blick richtet sich nach vorne. Nur einmal schaut er erneut zurück, als er zugibt, „vor Olympia mit viel Glück einen Platz im Vierer erwischt zu haben“. Nach den Querelen im deutschen Bahnradsport um Jens Lehmann und Co., die bei der Weltmeisterschaft in Stuttgart für einen Eklat gesorgt hatten und danach für die Nationalmannschaft suspendiert wurden, durfte Lampater in den Auswahlvierer aufrücken. „Sonst hätte ich bis nach Olympia warten müssen, aber dann hätte ich es auch geschafft, ganz bestimmt.“

Mittlerweile ist der Sieger des Berliner Sechstage-Zukunftsrennens von 2002, damals an der Seite von Christoph Meschenmoser, bei den Großen angekommen. Auch Robert Bartko ist von ihm angetan. „Er ist ein Rennfahrer mit einer Riesenzukunft, dazu fleißig und bescheiden“, sagt der Bahnradfahrer. „Mit ihm und Robert Bengsch und Henning Bommel macht es Spaß.“ Der zweimalige Olympiasieger, der sich vom Straßenteam Rabobank verabschiedet hat und sich wieder als Bahnradsportler fühlt, findet in der Arbeit mit den jungen Fahrern einen neuen Anreiz für sich. Beim Weltcup 2004 in Los Angeles, der offiziellen WM-Probe, siegte er im Vierer, und im Zweier-Mannschaftsfahren waren Bartko und Lampater erfolgreich.

Leif Lampater hat auch deshalb einen so steilen Aufstieg hinter sich, weil er von größeren Verletzungen bisher völlig verschont blieb. Ungewöhnlich für Radrennfahrer, bei denen zum Beispiel Schlüsselbeinbrüche nach Stürzen fast schon normal sind. Das Training der Bahnfahrer sieht größtenteils nicht anders aus als das der Straßenprofis. „Wir sind auch bei Rundfahrten dabei, aber da geht es für uns vor allem um Kondition. Mein Traum wäre es, eine Etappe zu gewinnen“, sagt Lampater. Da die WM erstmals im März und nicht wie sonst im Herbst ausgetragen wird, sieht er in diesem Jahr eine Chance dafür: „Sonst hatten wir den Höhepunkt immer noch vor uns, wir trafen in Vorbereitung auf den Bahnhöhepunkt auf Straßenprofis in Hochform.“

Als am Samstag im Velodrom der erfolgreiche Straßenprofi Jens Voigt als Gast begrüßt wurde, horchte Leif Lampater auf. „Das ist ein Radfahrer, zu dem ich aufschaue. Aber ich bin für das Straßenfahren nicht so talentiert, eher schnellkräftig und auf kürzere Distanzen eingestellt. Ich vermisse auch nichts, Bahnrennen machen mir einfach mehr Spaß.“

Trotzdem sehnt Lampater den Dienstag herbei, wenn das Berliner Sechstagerennen endet. Ab der kommenden Woche soll es auf Mallorca auch wieder über 15 Grad warm werden.

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