Sport : Sehnsucht nach Zidane

Frankreichs Nationalteam muss sich neu finden

Christian Tretbar[Paris]

Große Veränderungen finden oft im Kleinen statt. Bei der französischen Fußball- Nationalmannschaft sind Schienbeinschoner ab sofort auch im Training Pflicht. Die Croissants am Morgen werden gemeinsam verspeist. Und nach jedem Spiel gibt es ein kurzes Gespräch. Das alles lernten die französischen Spieler von ihrem neuen Trainer Raymond Domenech. Und der hat eine eindeutige Mission: Er muss sich für die WM 2006 in Deutschland qualifizieren und Verbandspräsident Claude Simonet hat bereits das Ziel ausgegeben: Halbfinale.

Doch die Franzosen sind realistisch genug zu wissen, dass die Nationalmannschaft zurzeit in einem Umbruch steht. Die Ära Zidane ist beendet. Außerdem haben sich wichtige Leistungsträger wie Bixente Lizarazu, Liliam Thuram und Marcel Desailly von der Equipe Tricolore verabschiedet. Nur Torwart Fabian Barthez macht noch bis 2006 weiter. „Es ist doch klar: Wenn eine so erfolgreiche Generation aufhört, dann bleibt zunächst einmal ein großes Loch“, sagte Domenech, „aber wir werden etwas Neues aufbauen.“ Dieser Aufbau beginnt heute im ersten WM-Qualifikationsspiel gegen Israel. „Es wäre psychologisch natürlich wichtig, mit einem Sieg in den Wettbewerb zu starten“, sagte der Nationaltrainer. Und auch Simonet will es gemächlich angehen lassen. „Wir haben zehn Qualifikationsspiele, und wenn wir davon nur acht gewinnen, reicht das.“

Doch jeder weiß, dass die Erwartungen der Franzosen groß sind. Bei seinem ersten Spiel als Nationaltrainer in Rennes gegen Bosnien-Herzegowina (1:1) musste Domenech erfahren, wie bitter es sein kann, wenn es nicht so läuft. Die Zuschauer riefen das ganze Spiel über nach Zidane. Doch der konzentriert sich nur noch auf Real Madrid, und es liegt an den Jungen, die Anforderungen zu erfüllen.

Einer der neuen Hoffnungsträger ist Benoit Pedretti. Mittelfeldspieler bei Olympique Marseille, 23 Jahre jung und schon 16 Einsätze in der Nationalmannschaft. Pedretti sagt: „Die Leute müssen verstehen, dass Zidane auch durch lautes Schreien seines Namens nicht zurückkommt. Man darf nicht vergessen, dass es vor Zidane Platini gab, der auch als unersetzlich galt. Irgendwann kommt ein neuer. Es ist jetzt an der Zeit, eine Seite umzublättern“. Die Croissants am Morgen scheinen gut fürs Selbstbewusstsein zu sein.

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