Sport : Sehr deutsch

Stefan Hermanns

über Herthas erfolgreiches, aber unattraktives Spiel Arne Friedrich ist deutscher Nationalspieler, er trägt als Mannschaftskapitän von Hertha BSC eine Binde mit der Deutschlandfahne um den Arm, und nach dem 3:2 seines Klubs gegen den MSV Duisburg hat Friedrich einen sehr deutschen Satz gesagt: „Schlecht spielen und gewinnen – das sind immer die schönsten Siege.“ Ja, da lacht das deutsche Herz, erst recht, wenn das entscheidende Tor auch noch nach einer Standardsituation (deutsche Spezialität) und in letzter Minute (noch eine deutsche Spezialität) fällt, durch einen gerade eingebürgerten deutschen U-21-Nationalspieler.

Hertha ist in der Bundesliga zurzeit der entschiedenste Vertreter des traditionellen Deutschtums. Die Mannschaft rumpelt genügsam vor sich hin, quält sich gegen die beiden Aufsteiger Frankfurt und Duisburg zu zwei unansehnlichen Heimsiegen – und lässt sich für den besten Saisonstart seit dem Aufstieg 1997 feiern. Noch nie hatte Hertha nach sechs Spieltagen eine zweistellige Punkteausbeute.

Doch genau das ist eine sehr gefährliche Sicht. Nicht weil sich die Berliner mit ihrer Spielweise dem von Bundestrainer Jürgen Klinsmann gesetzlich verordneten Trend zu mehr Attraktivität widersetzen. Es geht darum, dass es auf Dauer gefährlich ist, sich ausschließlich auf den Erfolg zu verlassen. Auch die Nationalmannschaft hat viel zu lange auf Lineker’s Law (… und am Ende gewinnt immer Deutschland) vertraut, bis ein paar Ungarns und Islands kamen und den Deutschen zeigten, wie man richtig Fußball spielt.

Ein bisschen mehr Marcelinho und etwas weniger Madlung könnte Hertha auf lange Sicht jedenfalls nicht schaden.

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