Sport : Seilspringen statt WM gucken

Neuzugang Lollis lacht viel und wundert sich über Albas Training

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Berlin. Gegen die Kinder hatte Quadre Lollis beim Basketballspielen keine Chance. Lollis misst 2,02 Meter, er ist der neue Flügelspieler des Deutschen Meisters Alba Berlin. Doch am Sonntagnachmittag, auf dem Sportplatz des Virchow-Klinikums, brachte er den Ball einfach nicht im Korb unter. Denn der Neuzugang von Ülker Istanbul saß im Rollstuhl, mühsam kurvte er um die aufgebauten Hütchen. Die kleinen Patienten der Neuropädiatrie, die auf Rollstühle angewiesen sind, meisterten den Parcours hingegen problemlos und trafen auch in den Korb. Lollis, Jovo Stanojevic und die Nachwuchsspieler Guido Grünheid und Heiko Schaffartzik waren zum „Tag des Rollstuhlbasketballs“ im Wedding angetreten.

Gemeinsam mit dem am Freitag verpflichteten Litauer Andrius Jurkunas soll Lollis Wendell Alexis ersetzen, den Star der vergangenen sechs Jahre. Doch schon jetzt ist klar, dass aus Lollis kein Iceman II werden wird. Diesen Spitzn hatte Alexis verpasst bekommen, weil er so unglaublich cool zu sein schien und kaum einmal eine Miene verzog. Lollis ist nicht cool, dazu lacht er viel zu viel. Gut gelaunt schrieb der 29-jährige US-Amerikaner, der einen Ohrstecker links und ein Bändchen am rechten Handgelenk trägt, gestern Autogramme auf Flaschen und T-Shirts.

Fünf Jahre war er Profi in der Türkei, die Bundesliga ist eine neue Herausforderung – auch wenn er fast nichts über sie weiß. Vor zwei Jahren spielte und siegte er in der Suproleague zweimal mit Ülker gegen Alba. Meister will er werden, natürlich, und „versuchen, in Europa besser zu spielen, als Alba es letztes Jahr gemacht hat“. Was nicht so schwer sein dürfte, schließlich verpasste das Team sogar die Zwischenrunde. In seiner Heimat Indianapolis hat Lollis mit seiner Frau und dem siebenjährigen Sohn bis vor einer Woche Urlaub gemacht. Gern wäre er noch geblieben, um dort die am Donnerstag beginnende Basketball-WM zu erleben. Stattdessen trainiert er zweimal täglich, fünf Stunden insgesamt. „Mir tut alles weh“, sagt Lollis. In der Türkei hat er während der Saisonvorbereitung vor allem Testspiele bestritten, „hier laufen wir die ganze Zeit, heben Gewichte und springen Seil“. Helen Ruwald

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