Sport : Sein eigener Trainer

Wimbledonsieger Federer besiegte die Nervosität

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London Vermutlich hat es etwas länger gedauert, den Sieg zu verarbeiten. Erst um 23 Uhr 10 erschien Roger Federer zum traditionellen Champions Dinner der Wimbledon-Sieger im Londoner Hotel „Savoy“. Maria Scharapowa war bereits seit vierzig Minuten anwesend, aber sie hatte ja auch einen Tag mehr Zeit gehabt, ihren ersten Sieg bei den All England Championships zu registrieren.

Roger Federer dagegen kannte das Gefühl zwar schon aus dem Vorjahr, doch dieses Mal war alles anders gewesen. „Ich war wahnsinnig erleichtert“, sagte der Schweizer nach seinem zweiten Erfolg an der Church Road. Der Druck auf den 22-Jährigen vor dem Spiel gegen Andy Roddick war immens gewesen. „Ich war nervöser als sonst“, erzählte Federer, er sei schon „mit kalten Händen“ auf den Platz gekommen. Zu allem Unglück litt er auch noch unter einer Erkältung.

Auf dem Platz versuchte Federer, diese Probleme zu verbergen, kühl und ruhig zu wirken. Sein Kontrahent Andy Roddick aber spürte, dass Federer an diesem Tag zu bezwingen war. Er spielte selbstsicherer und gewann folgerichtig auch den ersten Satz mit 6:4. „Andy hat unglaublich aggressiv gespielt. Und ich war überrascht, wie stark seine Rückhand war“, gestand der Schweizer. „Dass ich trotzdem gewonnen habe, macht mich unheimlich stolz.“

Einen nicht unwesentlichen Anteil daran hatten die beiden Regenpausen. Federer nutzte sie, um sich bewusst zu machen: „Ich muss etwas ändern, mehr riskieren und konsequenter ans Netz kommen.“ Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil Federer allein zu dieser Erkenntnis kommen musste. Seit seiner Trennung von Peter Lundgren Ende des letzten Jahres reist er ohne Trainer zu den Turnieren. Und tatsächlich war Federers Entscheidung für das Serve-and-Volley-Spiel ausschlaggebend für die Wende im Spiel. Die Nummer eins der Welt gewann den zweiten Satz und schließlich das Match mit 4:6, 7:5, 7:6 (7:3) und 6:4. Nach dem Matchball brach er vor Erleichterung in Tränen aus. Seit 24 Spielen hat Federer jetzt nicht mehr auf Rasen verloren. Viele Experten sind der Meinung, dass er das Tennis auf Jahre hinaus dominieren wird.

Angesichts der Überlegenheit befällt die Medien in der Schweiz jedoch die Angst vor einem Gegner, den Federer nicht so einfach schlagen kann: seine nachlassende eigene Motivation. „Roger kann sich nur noch selber schlagen“, befürchtet „Blick“, und die „Berner Zeitung“ prophezeit, dass seine Siege „nicht zum Normalzustand werden“. Auch Federer selbst erkennt diese Gefahr. Deshalb kündigte er an, weiter hart an sich zu arbeiten. Dabei soll ihm dann ein neuer Trainer helfen.

In naher Zukunft wird der 22-Jährige aber wohl kaum in ein Motivationsloch fallen. Sein nächstes Ziel hat er schon ausgegeben: die Olympischen Spiele in Athen. „Es ist ein Traum, mein Land zu vertreten“, sagt Federer. „In Sydney habe ich eine Olympiamedaille verpasst, das will ich jetzt besser machen.“ Tsp/dpa

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