Sport : Sein größter Sieg

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Michael Rosentritt erklärt, warum Lennox Lewis kein Feigling ist

Lennox Lewis lässt 20 Millionen Dollar im Boxring liegen. Eigentlich brauchte er nur hineinzusteigen – und sie aufzuheben. Das ist genau die Summe, die ihm der amerikanische Bezahlsender HBO für einen Rückkampf gegen Witali Klitschko garantiert hat. Doch statt sich für diesen Weltmeisterschaftskampf zu schinden, erklärte der Brite gestern seine Karriere für beendet. Viele sagen jetzt: Entweder hat Lewis zu viele Schläge gegen den Kopf bekommen, oder aber er kneift vor Klitschko. Genau das Gegenteil ist der Fall. Sein Entschluss ist klug und deswegen sein größter Sieg.

Viele Champions vor ihm haben diesen Kampf gegen die Zeit und gegen sich selbst verloren. Lewis tritt als amtierender Weltmeister ab. Vor ihm brachten das nur Gene Tunney und Rocky Marciano fertig. Alle anderen großen Boxer haben das nicht geschafft. Lewis hat nicht den Fehler gemacht wie Ali, Holyfield oder Holmes, die sich im Alter noch auf Kosten ihrer Gesundheit durch den Ring prügelten.

Lennox Lewis hat 26 Jahre lang geboxt und ist im Gegensatz zu vielen anderen klaren Verstandes geblieben. Zugegeben, er hätte etwas früher zu der Erkenntnis kommen können, dass seine Zeit vorbei ist. Lewis hätte im Juni 2002 abtreten können. Damals hatte er Mike Tyson geschlagen und damit den letzten großen Fighter seiner Ära bezwungen. Danach boxte er noch einmal – gegen Klitschko. Lewis’ Abbruchsieg gegen den Ukrainer war nicht unumstritten, Klitschko lag auf den Punktzetteln vorn. Lewis wankte. Diesen Wink hat er verstanden. Respekt.

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