Sport : Sein Name verfolgt ihn

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In der Comic-Serie „Die Simpsons“ gibt es eine Folge, in der sich der ewige Antiheld Homer umbenennt, um seinem alten Leben zu entfliehen. Unter dem schmissigen neuen Namen Max Power, den er auf einem Fön entdeckt hat, macht Simpson plötzlich Karriere und schüttelt sein Image als notorischer Versager zumindest vorübergehend ab.

Ähnliches hat wohl auch Max Kraft vor, die deutsche Übersetzung für Max Power. Der Zeichentrick-Tarnname soll seinem Träger helfen, seiner Vergangenheit als Jan Ullrich zu entkommen. Der ehemalige Radsport-Held war 2007 über das Dopingthema gestolpert und zum Radsport-Homer mutiert. Erstmals seit fast fünf Jahren saß der inzwischen 37-Jährige nun (rank und schlank) bei der Dolomiten-Rundfahrt für Jedermänner wieder bei einem Rennen im Sattel – gemeldet als Max Kraft. „Einfach mal Radfahren“, sagte Ullrich aka Kraft auf radsport-aktiv.de. „Und vor allem, ohne ständig über das Thema Doping reden zu müssen.“ Ullrich will nach Jahren hinter zugezogenen Gardinen endlich wieder ein normales Leben leben, dazu gehört eben auch Radfahren. Das ist als er selbst nur schwer möglich – doch das ist seine eigene Schuld.

Während Kollegen wie Erik Zabel zumindest mit Teilgeständnissen zurück in die Gesellschaft fanden, braucht Ullrich dazu den Schutz der Anonymität. Seinen echten Namen hat er nicht durch womögliches Doping, sondern durch sein Versteckspiel danach, das seine Überführung verhindern und ihm das Vermögen retten soll, fast irreparabel beschädigt.

Im Cartoon benennt sich Homer Simpson wieder um, weil er auch als Max Power ein Tollpatsch bleibt. Und auch Max Kraft wird nicht dauerhaft vor seinem wahren Ich davonfahren können. Vermutlich wird Jan Ullrich 2015 wieder auftauchen, um ein Buch über sich zu veröffentlichen – dann nämlich wären alle eventuellen Dopingverfehlungen verjährt.

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