Sport : Sein schönster Abend

Nach dem Sieg über Byron Mitchell ist Sven Ottke als erster Deutscher Weltmeister zweier Boxverbände

Michael Rosentritt

Berlin. Bevor in der Max-Schmeling-Halle alles begann, hatte Sarah Conner ihr neuestes Lied trällern dürfen. „He is unbelievable“, sang das Popsternchen, „er ist unglaublich.“ Hallensprecher Waldemar Hartmann ging davon aus, dass mit diesem Text Sven Ottke gemeint war, doch das musste dieser erst zwölf harte Runden lang gegen den US-Amerikaner Byron Mitchell erst beweisen. Dann aber waren sich die meisten der 10 000 Zuschauer sicher, dass Sven Ottke dieses Lied auch verdient hat. Mit 2:1 nach Punktrichterstimmen gewann Ottke den Weltmeister-Vereinigungskampf im Super-Mittelgewicht in Berlin und darf sich nun Weltmeister der Verbände IBF und WBA nenne. „Es ist phantastisch“, sagte der Sieger.

Es war Sven Ottkes schönster Abend. Als erster Deutscher wollte der Berliner, der inzwischen in Karlsruhe wohnt, Weltmeister zweier Boxverbände werden. Zuletzt hatte das Henry Maske versucht, doch der Halbschwergewichtler unterlag 1996 in München Virgil Hill nach Punkten und beendete danach seine Karriere.

Bereits vor dem Kampf hatte es Ärger geben sollen. Ottkes Manager Wilfried Sauerland hatte sich mit der Besetzung der Punktrichter nicht einverstanden erklärt, weshalb er am Mittwoch formal einen Protest eingereicht hatte. Auf den gestrigen Kampf hatte das aber keine Auswirkung. Beide Boxer gingen verhalten an, in der ersten Runde blieb der Kampf ausgeglichen. Schon die zweite Runde ging an Sven Ottke. Er war in diesem Moment der agilere Kämpfer, einige Schläge brachte er unter „Sveni, Sveni“-Rufen überfallartig an, während Mitchell sich auf Distanz zum Gegner hielt. Beide boxten fair und temporeich, augenscheinlich standen sich zwei ausgereifte Boxer gegenüber. Auch nach der fünften Runde hatte Ottke bereits eine Vorteil von einer gewonnen Runde erkämpft. Der Vorsprung sollte sich noch steigern, weil er in der sechsten Runde mit der Rechten zwei gelungene Treffer setzen konnte. Mitchells Trainer warnte seinen Boxer bereits: „Vielleicht brauchst du den K.o.“

Doch auch Trainer Ulrich Wegner wies Sven Ottke an, nicht nachzulassen. Nach der elften Runde riss der 35-Jährige bereits die Arme in die Höhe. Zu früh, mit einer schnellen Schlagkombination brachte Mitchell den Deutschen erstmals in Bedrängnis, doch Ottke konnte sich nach einigen bangen Sekunden wieder fangen und boxte clever. Es dauerte noch ein paar Minuten, bis die Entscheidung bekannt gegeben wurde: Ottke ist Doppelweltmeister.

0 Kommentare

Neuester Kommentar