• Sein Verdienst: 500 Euro oder 60 Millionen? Motorradfahrer Rossi hat wohl Steuern hinterzogen

Sport : Sein Verdienst: 500 Euro oder 60 Millionen? Motorradfahrer Rossi hat wohl Steuern hinterzogen

Paul Kreiner

Rom - 28 Jahre alt ist Valentino Rossi. Sieben Weltmeistertitel hat er auf seiner Yamaha-Maschine eingefahren. Wegen seines unbeschwerten, jungenhaften Wesens gilt der Motorradfahrer als einer der erfrischendsten Sportgestalten Italiens. In dieser Saison aber läuft es gar nicht gut für ihn. In der Türkei kam Rossi nur als Zehnter ins Ziel, auf dem Sachsenring im Juli stürzte er und schied aus; schon 44 Punkte Vorsprung hat sein australischer Konkurrent Casey Stoner in der WM-Gesamtwertung. Seinen schwersten Kampf allerdings führt Rossi abseits der Rennstrecke: Das Finanzamt im adriatischen Pesaro, nahe seines Heimatortes Tavullio, beschuldigt den Motorrad-Piloten, seine Einnahmen zwischen 2000 und 2004 dem Fiskus verheimlicht zu haben.

Den Behörden kam es merkwürdig vor, dass Rossi im Jahr 2002 laut Steuererklärung ganze 500 Euro verdient haben wollte. So forschten sie nach – und entdeckten 60 Millionen Euro unversteuerter Einnahmen. Zuzüglich der in solchen Fällen üblichen Strafsumme muss sich Rossi nun auf einen Zahlungsbescheid von 100 Millionen Euro oder mehr einstellen.

Die Behörden werfen dem Champion vor, im Jahr 2000 nur der steuerlichen Form halber nach London umgezogen zu sein. Da er dort von einem Sonderstatus profitierte, brauchte er nur Einnahmen aus Großbritannien zu versteuern. Und 60 Millionen Euro aus Sponsorengeldern, Prämien und Werbung, die sich Rossi in anderen Länder überweisen ließ, flossen an allen Steuerbehörden vorbei. Rossi versucht, die Affäre herunterzuspielen. Er sagt: „Jetzt gelte ich als Empfänger mega-galaktischer Steuerbescheide, und demnächst fliege ich wohl als Astronaut zum Mars.“ Der stellvertetende Finanzminister Italiens, Vincenzo Visco, sieht die Sache weniger ironisch. „Es tut mir leid für Rossi, ich bin ein großer Fan von ihm“, sagt Visco, „aber Gesetze müssen eingehalten werden.“

Rossi steuert nun auf ein schweres Leben in Italien zu. Dem Fußball-Star Diego Maradona, der aus fernen Zeiten bei Napoli noch mit 31 Millionen Euro beim italienischen Staat in der Schuld steht und sich trotzdem im Land hat blicken lassen, haben Finanzpolizisten unlängst gleich zwei Rolex-Uhren abgenommen. Selbst Sophia Loren ging 1980 für vier Wochen ins Gefängnis, um die Versäumnisse ihres Steuerberaters abzusitzen, wie sie sagte. Rossi lässt sich in seinem Heimatort, wo sie ihm den Bescheid zugestellt haben, vorsichtshalber nicht mehr blicken. Paul Kreiner

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