Sport : Sein weites Feld

Horst R. Schmidt plant die WM bis ins Detail

Robert Ide[Frankfurt am Main]

Er hat mal wieder nicht den glamourösen Job abbekommen. In der vergangenen Woche war Franz Beckenbauer mit seiner Entourage in der weiten Welt unterwegs, um die bereits qualifizierten Teilnehmer der Fußball-WM 2006 zu herzen. Horst R. Schmidt dagegen, Vizepräsident im WM-Organisationskomitee, blieb daheim in Frankfurt am Main. In seinem Büro traf er sich mit Hessens Ministerpräsident Roland Koch, um die Bundesländer in die WM-Vorbereitungen einzubinden. An diesem Wochenende veranstaltet er eine Klausurtagung zur Stadiontechnik, damit im kommenden Sommer nicht wieder die Bildschirme auf den Pressetribünen ausfallen. „Stillstand können wir uns nicht leisten“, sagt Schmidt. Er bezieht das gern auf sich.

Horst R. Schmidt, 63, ist der ideale Sportfunktionär. Seit Jahrzehnten macht er Verbands-, Gremien-, Kompromissarbeit; der Deutsche Fußball-Bund (DFB) kommt nicht mehr ohne seinen akkurat ackernden Generalsekretär aus. „Manchmal ist es skurril, mit welchen Themen ich mich beschäftige“, sagt Schmidt und öffnet seine Hand zum Abzählen. „Mal ist es die Anzahl der Meistersterne auf den Trikots des DDR-Rekordmeisters BFC Dynamo, im nächsten Moment geht es um den Antrag auf Nominierung eines Spielers für die Jugend-Europameisterschaft.“ Schmidt schließt seine Hand. Außergewöhnlich findet er sein weites Feld nicht. Nur im DFB fragen sie sich, wer den Verband eigentlich organisieren soll, falls Schmidt nach der WM an der Seite von Beckenbauer in den europäischen Verband Uefa einzieht. Als Kandidat in Frankfurt am Main steht Wolfgang Niersbach bereit, ebenfalls WM-Vizeorganisator.

Er lacht selten. Wenn das Gespräch auf die WM kommt, ist Schmidt die Last der Detailarbeit anzumerken. Auch hier wurde Schmidt der undankbarste Job übertragen – der Verkauf der Eintrittskarten. Seitdem muss er sich mit Problemen beschäftigen, die außer ihm kaum jemand versteht: die personengebundene Identifizierung von Tickets mittels eines eingebauten elektronischen Chips; die Zuteilung anhand von Kontingenten an Verbände in Übersee; die Genehmigung eines Kartenumtauschs im Falle des Ablebens eines Käufers. Und dann gibt es noch Betrüger beim Internetverkauf, wütende Fans, die keine Karte bekommen haben und... Stopp! Schmidt rollt hinter der Brille genervt mit den Augen. „Das ist ein Gebiet, auf dem man kein Lob erwarten kann“, stellt er fest. Schmidt ist bemüht, das komplizierte Ganze verständlich zu machen. „Dabei wird hoffentlich deutlich, dass wir viele Dinge nicht allein zu entscheiden haben. Wir sind an die Richtlinien der Fifa gebunden.“ Jetzt lacht er.

Schmidt ist einer der wenigen im Fußballgeschäft, die den Weltverband offen kritisieren dürfen. Fifa-Generalsekretär Urs Linsi lobt ihn trotzdem als „unseren besten Organisator Horst R.“ – vielleicht auch, weil er froh ist, dass Schmidt, dessen R. im Namen für Robert steht, die unangenehmen Jobs erledigt. Schon bei der WM 1974 in Deutschland verantwortete Schmidt den Kartenverkauf und erarbeitete sich seinen Ruf als sportlich und politisch korrekter Funktionär.

Seine Karriere hat er bei der Bundeswehr begonnen, als Beamter in der Finanzverwaltung. Nun verwaltet Horst R. Schmidt den größten Sportverband der Welt und die für Jahrzehnte spektakulärste Massenveranstaltung in Deutschland. Sein Geheimnis ist, dass er eine Art und einen Ton an sich hat, als ob es nichts Normaleres gäbe als diesen Job. Wenn er mal frei hat, geht er angeln.

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