Sport : Sein Wille geschehe

Stefan Hermanns

Es ist erst drei Wochen her, dass Dieter Hoeneß, der Manager von Hertha BSC, die Spieler seines Vereins um ein schriftliches Bekenntnis zu ihrem Arbeitgeber gebeten hat. Die Fußballer sollten ausformulieren, was ihnen Hertha bedeutet. Hoeneß hat seine Maßnahme gegen alle Häme verteidigt, dabei ist spätestens seit gestern klar, dass die Ergebnisse der Untersuchung keinerlei Relevanz besitzen. Papier ist geduldig.

Man kann nur mutmaßen, was Marcelinho aufgeschrieben hat, aller Wahrscheinlichkeit nach aber stehen seine Einlassungen in krassem Widerspruch zu seinen wirklichen Ansichten. Marcelinho denkt nämlich nicht daran, seinen 2007 auslaufenden Vertrag bei Hertha vorzeitig zu verlängern. Vielleicht sei es gut, noch einmal eine neue Stadt kennen zu lernen, und ja, er könne sich auch vorstellen, für einen anderen Bundesligisten zu spielen. Für Bayer Leverkusen zum Beispiel.

Vermutlich tut man Marcelinho Unrecht, wenn man ihm Berechnung unterstellt; wenn man seine Aussagen als quasi ironische Antwort auf die von Hoeneß verordnete Schreibübung versteht. Wahrscheinlich hat sich Marcelinho einfach nur nichts gedacht, als er über seine Pläne plauderte. Aber genau das ist das Problem: Marcelinho denkt sich nie was.

Der Brasilianer war einmal Identifikationsfigur für das Berliner Publikum, er schien Hertha zu lieben, so oft hat er das Wappen auf seinem Trikot geküsst. Inzwischen aber bereitet Marcelinho dem Verein mehr Ärger als Freude. Und wenn er jetzt schon weiß, dass er gehen will, wieso wird ihm dann noch eine weitere Saison in Berlin zugemutet? Bei einem Wechsel in diesem Sommer könnte Hertha wenigstens noch eine Ablöse einstreichen. Nach den jüngsten Erfahrungen wäre es wohl auch eine Art Schmerzensgeld.

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