Sport : Seine beste Rolle

Mazeika ist bei Alba zum Leistungsträger geworden

Benedikt Voigt

Berlin - Gerd-Ullrich Schmidt stand vor dem VIP-Eingang der Max-Schmeling- Halle und streckte die rechte Hand aus. Folgsam ergriff Martynas Mazeika die dargebotene Hand, doch der Mannschaftsarzt von Alba Berlin wollte den Aufbauspieler nur hochnehmen. Er zog die Hand wieder weg und lachte. Schmidt hatte offenbar eine vorhergehende Szene als lustig empfunden: Fünf Journalisten hatten sich respektvoll per Handschlag von dem 20 Jahre alten Basketballer verabschiedet. Zuvor hatten sie monatelang fast kein Wort mit ihm gewechselt.

Es ist schon ein rasanter Aufstieg, den Martynas Mazeika gegenwärtig bei Alba Berlin erlebt. „Er hat sechs Monate bei uns nicht gespielt“, sagt Trainer Henrik Rödl, „und jetzt spielt er 29 Minuten.“ Beim mühsamen 76:71 im Bundesligaspiel über Bayer Leverkusen war der Litauer derjenige Spieler von Alba Berlin, der nach Jovo Stanojevic die längste Zeit auf dem Spielfeld verbrachte. Sein Trainer spricht aus, was diese Statistik bereits andeutet. „Er ist bei uns längst kein Rollenspieler mehr“, sagt Henrik Rödl. Sondern ein Leistungsträger.

Als Mazeika, der zwölf Punkte erzielte und sechs Rebounds fing, im dritten Viertel für den enttäuschenden Tanel Tein kam, wendete er gemeinsam mit Matej Mamic das mäßige Spiel seiner Mannschaft. Durch zwei Dreipunktewürfe – darunter ein spektakulär mit einer Hand geworfener, als die Angriffszeit fast vorbei war – und durch seine intensive Verteidigung. Als Gerald Brown im Schlussviertel nach dem fünften Foul vom Feld musste, lastete die Verantwortung im Aufbau allein auf ihm. Dass Mazeika in der Schlussphase noch vier wichtige Freiwürfe vergab, verzieh ihm Rödl. „Er sollte zufrieden sein mit seinem Einsatz und dem, was er bewirkt hat.“

Unter dem früheren Trainer Emir Mutapcic hatte Mazeika nie gespielt. „Rödl vertraut mir“, sagt er, „ich fühle mich jetzt wichtiger für die Mannschaft.“ Das ist er gegenwärtig fast zwangsläufig, denn durch die Ausfälle von Aufbauspieler Mithat Demirel und Flügelspieler Stefano Garris wird er dringend benötigt. Albas Verantwortliche hatten vor dem Ende der Wechselfrist Ende Februar überlegt, einen weiteren Aufbauspieler zu verpflichten. Sie entschieden sich dafür, Mazeika eine Chance zu geben. „Wir wollten keine Unruhe in der Mannschaft“, sagt Rödl, „und wir wollten ein Zeichen setzen, dass wir unseren Leuten vertrauen.“ Fraglich ist, wie die Rolle von Mazeika aussieht, wenn Demirel und Garris zurückkehren. „Warten wir mal ab“, sagt Trainer Rödl, „im Moment sind wir froh, dass wir ihn haben.“

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