Sport : Seine Familie

Mutapcic darf mit Alba gegen Bonn verlieren und ist doch Trainer für die Zukunft

Benedikt Voigt

Berlin. Unlängst musste sich Emir Mutapcic Gedanken über seine Zukunft machen. Der Trainer von Alba Berlin hatte ein Angebot des bosnisch-herzegowinischen Basketball-Verbandes bekommen. Er sollte in seinem Heimatland Nationaltrainer werden. „Das ist eine große Ehre“, sagte Mutapcic. Trotzdem musste der 40-Jährige nicht lange überlegen, was mit diesem Angebot zu tun ist. „Ich muss auch an meine Familie denken“, erklärte Mutapcic. Und sagte ab.

Seine Familie, das sind seine Frau und die beiden Kinder. Aber das ist längst auch Alba Berlin, jener Basketballklub, dem er seit 13 Jahren in wechselnden Funktionen angehört. Nun wird es auch ein 14. Jahr werden, denn in dieser Woche verlängerte der Cheftrainer seinen Vertrag bei Alba Berlin bis 2005. „Wir haben den Vertrag vorzeitig verlängert, weil wir glauben, dass er im Moment der bestmögliche Trainer für uns ist“, sagt Marco Baldi, Vizepräsident Albas.

An dieser Einschätzung wird sich auch nichts ändern, wenn Alba heute das wichtige Spitzenspiel gegen die Telekom Baskets Bonn (19.15 Uhr, Max-Schmeling-Halle, live auf DSF) verlieren sollte. „Das hängt nicht davon ab, ob wir nur Vizemeister werden oder in den Play-offs rausfliegen“, sagt Baldi. Soll heißen, dass die Vertragsverlängerung nicht auf einzelnen Ergebnissen basiert. Die waren in dieser Saison ohnehin nicht besonders. In der Europaliga gelangen nur drei Siege, und im Pokal war für den Titelverteidiger nach einer peinlichen Niederlage gegen Frankfurt im Viertelfinale Schluss. „Wir haben uns nicht mit Ruhm bekleckert“, sagt Baldi, „aber man sieht an der Vertragsverlängerung, dass wir die Verantwortung dafür nicht hauptsächlich dem Trainer zuweisen.“

Bislang hat Emir Mutapcic in jeder Saison mindestens einen Titel geholt: Drei Meisterschaften und zwei Pokalsiege durfte er bislang mit Alba als hauptverantwortlicher Trainer feiern. Vor der Saison 2000/2001 hatte er seinen Freund Svetislav Pesic abgelöst. Es war ein Übergang, der sich für die Spieler sanft gestaltete. „Es hat sich unter Mutapcic nicht viel geändert“, sagt Wendell Alexis, der noch zwei Jahre unter ihm spielte. „Die Philosophie im Verein ist die gleiche geblieben.“ Sogar manche Verhaltensweisen beim Coachen habe sich Mutapcic bei Pesic abgeschaut. „Das Stampfen mit den Füßen oder die Jacke, die aus- und wieder angezogen wird“, erinnert sich Alexis.

Der 39-Jährige ehemalige Alba-Spieler hat gerade beim insolventen Mitteldeutschen BC erlebt, wie es ist, wenn Versprechungen nicht eingehalten werden. Alba Berlin hingegen hat in Mutapcic einen Freund gefunden, auf dessen Aussagen stets Verlass ist. „Er ist kein Selbstdarsteller“, sagt Baldi, „er hat noch nie einem jungen Spieler 30 Minuten Einsatzzeit versprochen, wenn er weiß, dass er das nicht einhalten kann.“

Höchste Identifikation verlangt der Vizepräsident von den Angestellten von Alba Berlin. Emir Mutapcic personifiziert diese Tugend. Sein neuer Vertrag läuft wie jener des Kotrainers Burkhardt Prigge bis Sommer 2005. Aus wirtschaftlichen Gründen, hat Präsident Dieter Hauert gesagt. „Mutapcic musste kein Konzept vorlegen“, berichtet Baldi. Man unterhalte sich ohnehin jede Woche über die Ausrichtung des Vereins.

Der Vizepräsident will nicht sagen, ob der Verein es zugelassen hätte, dass Mutapcic zusätzlich als Nationaltrainer von Bosnien-Herzegowina fungiert. „Ich bin froh, dass sich diese Frage nicht gestellt hat.“ Ohne mit den Verantwortlichen gesprochen zu haben, hat Mutapcic in dieser Frage von sich aus zum Wohle des Vereins entschieden. Wie immer.

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