Seit sechs Jahren Bundestrainer : Joachim Löw hat sich verändert

Am Dienstagabend spielt die deutsche Nationalmannschaft gegen Schweden. Die Diskussionen um Bundestrainer Joachim Löw reißen derweil nicht ab. Er selbst sagt, er habe sich nicht verändert, tut aber etwas, was er bisher nicht brauchte: Er entschuldigt sich.

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Seit sechs Jahren im Amt: Bundestrainer Joachim Löw
Seit sechs Jahren im Amt: Bundestrainer Joachim LöwFoto: dpa

Sechs Jahre ist es jetzt her, dass Joachim Löw seine Tätigkeit als Bundestrainer aufgenommen hat. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft schlug Schweden mit 3:0. Dass der gleiche Gegner auch heute Abend im Olympiastadion in der WM-Qualifikation wieder im Weg steht, ist eher nebensächlich angesichts der vergangenen sechs Tage, die hinter Löw liegen. Der inzwischen 52-Jährige habe sich verändert, er reagiere dünnhäutiger, blende Problemdiskussionen rund um die Mannschaft aus, am Ende wollen Beobachter sogar eine gewisse Amtsmüdigkeit ausgemacht haben.

„Ich habe mich definitiv nicht verändert“, sagt Löw gleich zu Beginn des Gesprächs. Die Niederlage im EM-Halbfinale, die vielen als Auslöser ihrer Beobachtung gilt, sei schmerzhaft, aber wer ihn kenne, wisse, dass er mit großem Elan weiter daran arbeite, die Mannschaft zu entwickeln. Er sei sich seiner Verantwortung bewusst, man wisse, was man wolle. Außerdem sei man die Nummer zwei in der Welt. „Warum sollte ich denn die Lust verlieren?“, fragt Löw und sagt: „Meine Motivation ist ungebrochen.“

Dass Löw in seiner bisherigen Amtszeit der deutschen Auswahl wieder Fußballkultur beigebracht und sie bei jedem Turnier mindestens das Halbfinale erreicht hat, gelten als vorzüglicher Arbeitsnachweis für sein Wirken. Allerdings gilt diese Auswahl auch als überaus begabt. Für die Öffentlichkeit leben daher beide, Mannschaft und Trainer, mit dem Makel, noch keinen Titel gewonnen zu haben. Dabei spiele keine Rolle, dass die Spanier, die 40 Jahre auf einen Titel warten mussten, jetzt über eine Jahrhundertmannschaft verfügen. Am Ende müsse Löw die Sehnsucht der deutschen Fans bedienen und auch einmal durchs Ziel laufen.

Der Vertrag von Joachim Löw läuft bis 2014, einschließlich der WM in Brasilien. In die Qualifikation ist die Mannschaft mit drei Siegen gestartet. Vor dem Spiel gegen die Schweden warnt Löw allerdings. Die Skandinavier gelten als stärkster Widersacher, mit einem Sieg könnte Löws Teams den augenblicklichen Tabellenzweiten auf sechs Punkte Abstand bringen. Anschließend folgen im März Hin- und Rückspiel gegen Kasachstan.

Die Schweden hätten manches Mal so ihre Schwierigkeiten gegen kleinere Gegner, aber gegen die Großen spielten sie stark auf, sagt Löw. „Sie können sich defensiv so verhalten, dass es schwer ist, gegen sie Tore zu erzielen, sie verfügen über eine positive Mentalität, und vorn haben sie Spieler, die sehr gut sind“, sagt Löw.

Joachim Löw hat die Diskussionen der vergangenen sechs Tage vernommen. Dabei ist er auch über seine unbedachten Worte über Marcel Schmelzer gestolpert. Löw hatte hinsichtlich der Probleme auf der linken Abwehrseite erklärt, er könne sich keine Spieler „schnitzen“. Gestern bedauerte er seine Wortwahl und entschuldigte sich öffentlich. Der Dortmunder Schmelzer wird gegen Schweden sein zehntes Länderspiel absolvieren. Ihm bleibt das Schicksal Malik Fathis erspart. Der Berliner debütierte vor sechs Jahren gegen Schweden anlässlich Löws Einstand als Bundestrainer. Danach spielte er noch einmal für Deutschland und dann nie wieder.

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