SEITEN Wechsel : Vom Star zum Verdammten

Der Weg des Handballers Böhme in der DDR

Helge Buttkereit

Vor Olympia 1980 in Moskau wurde der einstige Weltklassehandballer Wolfgang Böhme aus dem Kader und fortan auch der DDR-Sportgeschichte gestrichen. Einen triftigen Grund für den Ausschluss des Kapitäns der DDR-Nationalmannschaft und von Empor Rostock gab es nicht. Der Rechtsaußen erschien den Funktionären als unsicherer Kandidat, wenngleich er alle Abwerbungsversuche der Westklubs ablehnte. Zum Verhängnis wurde ihm ein Brief, in dem er seiner Geliebten mit der Republikflucht drohte. Der Brief fiel in die Hände der Stasi und Böhme der Paranoia der DDR-Führung zum Opfer. Dass er nicht fliehen wollte, da er in der DDR ein privilegiertes Leben führte und zudem sein Zwillingsbruder im Osten lebte, wird in der neu erschienenen Böhme-Biografie deutlich. Erst 1989, nach langen Schikanen, wanderte Wolfgang Böhme in die Bundesrepublik aus, heute lebt er in der Schweiz. Tagesspiegel-Autor Erik Eggers erzählt in seiner Böhme-Biografie detailliert und bewegend von Aufstieg und Fall des einstigen DDR-Sportidols, lässt die vielen deutsch-deutschen Duelle in den Handballhallen Revue passieren und berichtet unaufgeregt auf Grundlage von Böhmes Tagebuch auch über Dopingpraktiken im DDR-Handball. Helge Buttkereit









— Erik Eggers:
Böhme – Eine deutsch-deutsche Handballgeschichte.

Verlag Die Werkstatt, 256 Seiten, 19,80 Euro.

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