Sport : Seitenblick zum Trainer wird immer besorgter

KLAUS ROCCA

Der stark kritisierte Hertha-Stürmer Roy vermeidet sorgsam jede Konfrontation mit Jürgen RöberVON KLAUS ROCCA BERLIN.Morgennebel liegt über dem Maifeld.Bryan Roy durfte sich ein wenig an seine Zeit beim englischen Klub Nottingham Forest erinnern.Irgendwie fühlte er sich bei diesem englischen Wetter wohl.Auch später noch, als sich der Nebel verzogen hatte und zum Trainingsabschluß Torschüsse angesagt waren.Fast jeder Schuß Roys war von Erfolg gekrönt.Und diese Quote tat ihm sichtlich gut. Bryan Roy (Foto: Thilo Rückeis) hat in diesen Tagen selten Grund zur Freude.Der Frust ist ihm offenbar auch aufs Gemüt geschlagen."Ich sage nichts", fährt er dann auch einen Fernsehmann an, der ihn vor die Kamera holen will.Er, der bei seiner Ankunft in Berlin als der Star mit großem Vorschußlorbeer bedacht worden war, ist längst dünnhäutig geworden.Stets darauf bedacht, mit unglücklichen Äußerungen seine mißliche Situation nicht noch prekärer zu machen und den Trainer nicht noch mehr vor den Kopf zu stoßen.Denn der Coach war ohnehin schon sauer genug. Jürgen Röber hatte nach dem Debakel in Rostock ein Zeichen setzen wollen, vielleicht sogar müssen.Also opferte er seinen prominentesten und teuersten Spieler, verbannte ihn aus dem Kader.In den ist Roy noch immer nicht zurückgekehrt.Gestern, nach dem gelungenen Training, gab er sich selbstbewußt: "Ich gehe davon aus, daß ich am Sonnabend beim Spiel gegen den FC Schalke wieder im Kader bin." Röber hielt sich da bedeckt.Er wolle erst noch die nächsten Trainingseinheiten abwarten, so Röber. Im Gegensatz zum (leicht verletzten) Kameruner Alphonse Tchami, den man offenbar verpflichtet hatte, ohne ihn gesehen zu haben, war Bryan Roy kein Unbekannter.Wer bei Ajax Amsterdam, Calcio Foggia und Nottingham Forest gekickt hat, den braucht man nicht erst zum Probetraining zu holen.Der erfüllt eigentlich automatisch gewisse Qualitätskriterien.Und viele erinnerten sich auch noch des 18.Juni 1992, als Roy bei der Europameisterschaft in Göteborg im Dreß der Niederländer beim 3:1 seinen Gegenspieler Jürgen Kohler schwindlig spielte.Da schienen die insgesamt 3,5 Millionen Mark, die nun für den dunkelhäutigen Mann hingeblättert wurden, eigentlich gut angelegt zu sein. Längst sind Zweifel aufgekommen, hat sich der ganze Ärger über Herthas Sturz in den Keller über dem teuren Import entladen.Ein Filigran-Techniker, aber einer, der nur für die Galerie spiele, im Zweikampf viel zu weichlich sei - so das Urteil seiner Kritiker.Roy wehrt sich: "Ich weiß, was ich kann und fühle mich topfit.Natürlich bin ich enttäuscht, über meine eigenen Leistungen und die des Vereins.Aber ich werde es noch allen zeigen." So er denn Gelegenheit dazu bekommt.Am Sonnabend, "auf Schalke", im Parkstadion, wohl kaum.Da ist ein Offensivspieler wie er kaum gefragt.Doch die Saison ist noch lang.Und Roys Vertrag läuft noch bis zum 30.Juni 2001 ...

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