Sport : Seitenblicke auf die Bundesliga

Hertha gewinnt mit großem Kampfgeist 2:0 in Bochum und hat den Aufstieg damit fast schon gesichert

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Millimeterarbeit beim großen Schritt zum Aufstieg. Peter Niemeyer (Mitte) erzielt gegen den VfL Bochum durch einen platzierten Schuss unter die Latte das 1:0 für Hertha. Foto: dpa
Millimeterarbeit beim großen Schritt zum Aufstieg. Peter Niemeyer (Mitte) erzielt gegen den VfL Bochum durch einen platzierten...Foto: Ottmar Winter

Peter Niemeyer, der Berliner Leihspieler aus Bremen, hat sich längst in die Herzen der Hertha-Fans gespielt. Er ist derjenige, der im vergangenen Sommer zu dem Fußball-Zweitligisten kam und mit dem er jetzt wohl wieder in die Bundesliga aufsteigen wird. Niemeyer ist ein defensiver Mittelfeldspieler, seinen Wert für die Mannschaft entfaltet er, indem er das Spiel organisiert und ihm Struktur verleiht. In dieser Rolle ist er unverzichtbar. Gestern Abend aber, im Spitzenspiel beim Tabellendritten VfL Bochum, war er es, der der Aufstiegskampagne des Tabellenführers aus Berlin auch noch in ungewohnter Mission mächtig Struktur verlieh. Niemeyer erzielte vor 24 211 Zuschauern die Weg weisende Führung zum 2:0 (1:0)-Sieg. Damit tat Hertha den wohl entscheidenden Schritt Richtung Aufstieg. Auf den Relegationsplatz, den die Bochumer behalten, haben die Berliner bei noch fünf ausstehenden Spielen nun schon sieben Punkte Vorsprung. „Nach unserer Führung war klar, dass Bochum etwas machen muss und wir dann Chancen bekommen“, sagte Herthas Trainer Babbel. „Jetzt sind wir dem Aufstieg wieder einen Schritt näher gekommen und müssen nun den Sack zu machen.“ Und Hertha-Manager Michael Preetz erklärte: „Ja, wir schielen jetzt mit einem Auge auf die Erste Liga.“

Babbel hatte sich für eine eher defensive Startelf entschieden. Statt des offensiven Raffaels bildete Fabian Lustenberger das zentrale Mittelfeldpaar mit Niemeyer. Keine schlechte Idee, denn der VfL, der zuletzt 15 Spiele in Serie unbezwungen war, startete sehr engagiert. Aber mit zunehmender Zeit bekamen die Berliner Zugriff auf das Geschehen. Ohne allerdings alles zu riskieren. Denn die Bochumer sind dafür bekannt, dass sie mit Kontern den Abschluss suchen.

Pierre-Michel Lasogga, dessen Stern im Hinrundenspiel gegen Bochum aufging, als er zum ersten Mal in der Startelf der Berliner stand und beide Tore erzielt hatte, probierte es mit zwei Kopfbällen, die aber den VfL noch nicht in Bedrängnis brachten. Aber wenig später war sein dritter Kopfball erfolgreich. Eher unfreiwillig verlängerte er eine Flanke auf den aufgerückten Niemeyer, der mit links abzog und das 1:0 erzielte.

Die Führung war nicht unverdient, wobei schon im Gegenzug der Ausgleich hätte fallen können. Korkmaz bekam aber – frei vor Torwart Maikel Aerts stehend – keinen Druck auf den Ball. Von da an entwickelte sich ein munteres Spielchen, indem Hertha bei hohen Bällen gefährlich blieb, die Bochumer aber mehr Spielanteile hatten. Aber dem Gastgeber unterliefen bis zum Pausenpfiff zu viele ungenaue Passspiele.

Nach der Pause brachte Herthas Trainer Raffael für Patrick Ebert. Babbel zog Adrian Ramos ins rechte Mittelfeld, Raffael gab eine Art hängende Spitze. Herthas Trainer erwartete wohl einen wild entschlossenen Gastgeber, der für seine Aufstiegschance noch mehr riskieren würde. Und so kam es auch. Bochum drückte, allerdings ohne Wirkung. Und Hertha spielte so, wie es eigentlich dem VfL liegt, abwartend, auf Fehler lauernd, mit Kontern. Und es ergaben sich Chancen. Raffael traf zweimal den Pfosten. Auf der Gegenseite vergaben zweimal Dabrowski und der eingewechselte Dedic gute Chancen. Das Spiel wurde hitziger.

In der Schlussphase stellte Hertha geschickt die Räume zu. Rechtsverteidiger Christian Lell, der ein gutes Spiel machte, organisierte lautstark seine Nebenleute. Das, was Hertha an diesem Abend zeigte, war keine hohe Fußballkunst, aber die war hier nicht gefragt. Der Tabellenführer musste sich wehren, und das tat er mit Lauffreude und Einsatzbereitschaft durchaus überzeugend. Kurz vor dem Schlusspfiff vollendete Raffael dann doch noch einen Konter zum 2:0. Die vielleicht 500 mitgereisten Fans feierten ihr Team wie einen Aufsteiger. Und das war durchaus angemessen.

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