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Aus Liebe zum Fußball

Sven Goldmann

Der Blinde sagt nichts zur Farbe und der Taube nichts zur Musik. Umgekehrt gilt: Fußball blöd finden kann jeder, doch das moralische Recht zur Kritik hat nur der aufrichtig Liebende. Diese Prämisse liegt dem Buch des Fußballfans René Martens zu Grunde. Auf 110 Seiten bekommt von ihm jeder, was er verdient: Scheiß-Schiedsrichter (arrogant!), Scheiß-Experten (Wichtigtuer!), Scheiß-Stadien (zu viel Kommerz!), Scheiß-Klubs (gierig!) und -Profis (noch gieriger!). Martens formuliert gut, und er hat hübsche Anekdoten ausgegraben, etwa die vom Liechtensteiner Klub FC Vaduz, bei dem zwischenzeitlich die Zugabe von Senf zur Stadion-Wurst untersagt war, weil sich zu viele Zuschauer damit bekleckert hatten. Scheiß-Regeln! Der (Scheiß-) Kritiker ist dennoch nicht zufrieden. Es zeugt nun mal nicht gerade von großem Mut, das Buch mit einem Verriss über die Gattung der Spielergattinnen zu beginnen, auch die exponierte Stellung von Bayern München und Bayer Leverkusen im Kreis der Scheiß-Klubs war irgendwie vorhersehbar, und Andreas Möller auf dem Titelbild – nun ja. Das ist der grundsätzliche Widerspruch in diesem schön aufgeschriebenen Buch: Weil Martens sich mit jeder Zeile weiter erhebt über die Verräter an der schönsten Hauptsache der Welt, wird er selbst einer. Scheiß-Besserwisser!

René Martens: Scheiß-Fußball. Was echte Fans so richtig ärgert. Eichborn, 114 Seiten, 12,95 Euro

An dieser Stelle lesen Sie jeden Dienstag einen Buchtipp aus der Welt des Sports.

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