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Das Leben des Ottmar Hitzfeld

Stefan Hermanns

Das Genre der Fußballerbiographien (und -autobiographien) ist bisher nur selten durch hohe literarische Qualität auffällig geworden. Jürgen Leinemanns Buch über Sepp Herberger zählt zu den wenigen zu rühmenden Ausnahmen, und auch Josef Hochstrassers Lebensgeschichte des Fußballtrainers Ottmar Hitzfeld gehört zumindest ins obere Drittel. „Die Biographie“ nennt er sein Buch im Untertitel – als könne und werde es keine zweite über Hitzfeld mehr geben. Hochstrasser hat den Vorteil, dass er seit vielen Jahren schon ein Vertrauter und guter Freund Hitzfelds ist. Er weiß mehr als viele andere; die Nähe verführt ihn allerdings dazu, sich manchmal selbst zu wichtig zu nehmen.

Hochstrasser erzählt die ganze Geschichte, die in Lörrach begonnen hat und Hitzfeld als Trainer der Bayern an eine der wichtigsten Positionen des deutschen Fußballs geführt hat. Geprägt wurde Hitzfeld vom katholischen Milieu seiner Familie. Als er seine spätere Frau kennen lernte, habe er mit Erleichterung festgestellt: „Und sie ist auch noch katholisch.“ Für seine Eltern war das von Bedeutung, „ihn interessierte die Konfession nicht, wichtiger war ihm das Aussehen“.

Hitzfeld hat einen großen Teil seines beruflichen Lebens in der Schweiz verbracht; deshalb war er weitgehend unbekannt, als er Anfang der Neunzigerjahre Trainer in Dortmund wurde. Hochstrasser erzählt auch von dieser Zeit, in der Hitzfeld wurde, was und wie er heute ist. Günter Netzer hat ihn schon damals in der Schweiz als Trainer erlebt: „Ottmar Hitzfeld war nie der liebe, nette Onkel von nebenan; hinter seinen Erfolgen verbirgt sich schon eine gewisse Härte, ja manchmal sogar Brutalität.“

Josef Hochstrasser: Ottmar Hitzfeld. Die Biographie. 320 Seiten. Argon-Verlag, 19,90 Euro

An dieser Stelle lesen Sie jeden Dienstag einen Buchtipp aus der Welt des Sports.

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