Sport : SEITENWECHSEL Gehetzter Held

Armstrongs zweite Biografie

Mathias Klappenbach

Lance Armstrong ist ein Held. Das weiß er auch selbst. Wer es außer ihm nicht wusste, muss nur einige Seiten seiner zweiten Biografie lesen. Das neue Buch des Texaners ist vor allem für den Markt in den USA geschrieben, dort mögen sie solche Helden. Die sich zwar auch einmal einen Fehler eingestehen, aber irgendwie doch immer alles richtig gemacht haben. Und manchmal doch so gern ein bisschen mehr Mensch wären.

Armstrong hat den Hodenkrebs besiegt und dann fünfmal hintereinander die Tour de France gewonnen. Er erzählt vor allem die Geschichte der Jahre 1999 bis 2003, in denen er zu einem Gehetzten wurde. Auf der Rennstrecke kommt er damit klar. Aber sonst: zu viele Termine, zu viele Verpflichtungen. In den Passagen, in denen er ehrlich zu sein scheint, erfährt man, warum der Sportheld keine Zeit für alles hat. Und was es für Folgen im Privatleben hat, wenn man dauernd dem Tod davonfahren will. Seine Frau, von der er sich inzwischen getrennt hat, hat ihn am meisten in dem Moment geliebt, als er bei Olympia nur Dritter wurde. Als ein Teamkollege Armstrong erklärt, dass sie in Frankreich nicht den Sieger, sondern den Zweiten lieben, bleibt Armstrong ratlos zurück. Er will ein Held sein, weil er ein Sieger ist.

Lance Armstrong mit Sally Jenkins: Jede Sekunde zählt, C. Bertelsmann Verlag, 288 Seiten, 19,90 Euro.

An dieser Stelle lesen Sie jeden Dienstag einen Buchtipp aus der Welt des Sports.

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