Sport : SEITENWECHSEL Mythischer Ort

Zum Abschied vom Bökelberg

Stefan Hermanns

Eigentlich ist ein Fußballstadion nur eine Konstruktion aus Beton und Stahl, ein nüchterner Zweckbau, architektonisch uninteressant. Im besten Fall aber ist ein Stadion ein mythischer Ort: das Wankdorf-Stadion von Bern zum Beispiel oder – zumindest für die Fans von Borussia Mönchengladbach – der Bökelberg, das älteste Stadion der Bundesliga, das schon 1919 eingeweiht wurde. Bevor der Bökelberg im kommenden Sommer außer Dienst gestellt und anschließend abgerissen wird, hat Markus Aretz, der Pressesprecher von Borussia Mönchengladbach, noch einen literarischen Gedenkstein gestiftet. In „Mythos Bökelberg“ erzählt Aretz die fast 85 Jahre währende Geschichte, die aus einer „der schönsten Sportanlagen des Rheinlandes“ (zeitgenössischer Kommentar) ein völlig veraltetes Stadion hat werden lassen. Und er erinnert an die großen Spiele, die die Gladbacher Borussen dort bestritten haben. Weil das jedoch in einer manchmal leidenschaftslosen Sprache daherkommt, in der die Trauben hoch hängen, Tore am Fließband fallen und nicht lange um den heißen Brei herumgeredet wird, sind das Schönste an diesem Buch die Berichte der Fans und deren wehmütige Erinnerungen an den Bökelberg. Jan Leeuwen, ein Anhänger aus Tilburg in Holland, beendet seinen Beitrag mit dem Satz: „Mir blutet das Herz, wenn ich an den Abschied denke.“ So geht es vielen.

Markus Aretz: Mythos Bökelberg. Geschichte eines Fußballstadions. Verlag Die Werkstatt, 232 Seiten, 24,90 Euro

An dieser Stelle lesen Sie jeden Dienstag einen Buchtipp aus der Welt des Sports.

0 Kommentare

Neuester Kommentar