Sport : SEITENWECHSEL Neben der Spur

Der Absturz des Matti Nykänen

Mathias Klappenbach

Früher war er der perfekte Skispringer. Und der erfolgreichste aller Zeiten. Heute ist Matti Nykänen ein Alkoholiker, der manchmal Häme, meistens aber Mitleid bei den Menschen auslöst. Weil seine zweite Karriere so traurig ist. Nykänen hat die Landung im normalen Leben nicht geschafft, die Abstürze und Eskapaden des inzwischen 40-jährigen Finnen könnten von keiner Boulevardzeitung besser erfunden werden. Vier Ehen inklusive eines Messerangriffs auf eine seiner Frauen, eine Gesangskarriere auf dem Niveau der Superstar-Vorausscheidung, Stripteaseaufritte in einer Bar.

Man lernt in dieser Biografie viel über das Umfeld des verschlossenen Ausnahmeathleten und Skispringen in den achtziger Jahren. Da gab Nykänen am Schanzenbalken noch ein Autogramm, bevor er sich abstieß und die Konkurrenz deklassierte. Da gab es als Prämie für den besten Sprung schon einmal einen Liter Wein pro Meter. Doch die im zweiten Teil angekündigte Erklärung für den sich schon früh abzeichnenden Absturz ist vor allem Beschönigung. Der unter dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom leidende Nykänen wird nur selten fassbar, der Übergang von der Beschreibung des Sportlers zu der des Menschen misslingt leider. Aber diese Pointe wird Matti Nykänen kaum überraschen.

Matti Nykänen: Grüße aus der Hölle. Aufgezeichnet von Egon Theiner. weropress, 213 Seiten, 19,95 Euro.

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