Sport : Selbst Madrid klatscht Beifall

Ganz Spanien würdigt die historische Aufholjagd des FC Barcelona gegen den AC Mailand im Achtelfinale der Champions League.

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Jubel über mehrere Etagen. Barcelonas Torschützen Jordi Alba (oben vorne) und David Villa (oben hinten) bespringen das Erdgeschoss der Pyramide, wo Dani Alves (links) und Andres Iniesta Lionel Messi herzen, der gegen den AC Mailand ebenfalls traf. Foto: AFP
Jubel über mehrere Etagen. Barcelonas Torschützen Jordi Alba (oben vorne) und David Villa (oben hinten) bespringen das Erdgeschoss...Foto: AFP

Nach dem grandiosen Sieg wartete eine Überraschung auf die Spieler des FC Barcelona. Michael Schumacher, der Rekord–Weltmeister der Formel-1, hatte sich in die Katakomben des Camp Nou begeben, um Lionel Messi, Andres Iniesta, Xavi und alle anderen persönlich zu beglückwünschen. Die freuten sich wie kleine Kinder und machten Fotos mit dem Rennfahrer. Schumachers Besuch war ein netter Zusatz auf einen perfekten Abend für die Spieler des FC Barcelona, denen kurz zuvor Historisches gelungen war: 4:0 gegen den AC Mailand im Achtelfinale – zum ersten Mal hatte ein Team in der Champions League ein 0:2 aus dem Hinspiel wettmachen können.

Nach dem enttäuschenden ersten Spiel vor drei Wochen hatte kaum jemand eine solche Leistung für möglich gehalten. Die anschließenden zwei bitteren Niederlagen gegen den ewigen Rivalen Real Madrid und durchwachsene Spiele des spanischen Tabellenführers waren nicht nur in den Medien kritisch betrachtet worden – besonders zuletzt nach dem Spiel gegen den Tabellenletzten der spanischen Liga, Deportivo La Coruña. Dabei hatte sich Barcelona am vergangenen Wochenende als harmloses und ideenarmes Ensemble ohne spürbare Strategie präsentiert, mit endlosen Ballstafetten, aber wenig Torgefahr. „Selbstverwaltung gescheitert“ hatten Zeitungen bereits über die Mannschaft geschrieben, die sich scheinbar selbst aufstellt. Dem Team fehlte seit der Krebserkrankung des Trainers Tito Vilanova erkennbar eine ordnende Hand; Hilfstrainer Jordi Roura war bescheinigt worden, es mangele ihm an der nötigen Autorität. Auch aus der Mannschaft selbst hatte es kritische Stimmen an der eigenen Leistung gegeben – die Mannschaft sei „nicht mehr hungrig“, drang etwa am Tage vor dem Spiel gegen den AC Mailand als Selbstkritik an die Öffentlichkeit.

Alles vergessen nach einem denkwürdigen Abend, an dem es selbst in Madrider Bars offenen Beifall für die sonst ungeliebte Konkurrenz aus Barcelona gab. „Dieser Tote ist sehr lebendig“, lautet am Tag danach eine Schlagzeile in der Sportzeitung „AS“. „Stolz gegen Vorurteil“ heißt es einige Seiten weiter in Anlehnung an das berühmte Buch von Jane Austen gar – als wenn nicht gerade dieses Blatt in den Wochen zuvor viele Seiten damit gefüllt hatte, um seinen Lesern zu erklären, warum Barcelonas Team müde sei und seine besten Zeiten hinter sich habe. „Barças Rückkehr“, titelte auch die zweite große Sportzeitung „Marca“ über die „epische Nacht“ gegen die chancenlosen Mailänder. Selbst das sprachlich sonst eher zurückhaltende Blatt „El Pais“ findet auf vier ganzen Seiten nahezu hymnische Worte für die Leistung der Mannschaft, und insbesondere für die kreativen Köpfen Andres Iniesta und Kapitän Xavi. Und Ersatz-Trainer Roura, der in den vergangenen Wochen enorm unter Druck stand, nutzte die Gelegenheit, um umgehend die „maßlose Kritik“ an seinem Team und seiner Arbeit zurückzuweisen.

Selbst Mittelfeldspieler Sergio Busquets, ein eher ruhiger Vertreter, polterte einen Tag nach dem Spiel: „Wir müssen niemand etwas beweisen.“ Busquets hatte zuvor wie gewohnt souverän Barcelonas Spiel im Mittelfeld abgesichert. Die offensiven Aktionen überließ er anderen, etwa Lionel Messi, der zwei Tore in der ersten Halbzeit erzielte und damit den Weg zur Aufholjagd ebnete. David Villa und Jordi Alba sorgten nach dem Wechsel für den Endstand.

Und schon wird in Spanien davon geträumt, dass es bei entsprechender Auslosung zu einem neuen „Clásico“ zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid kommen könnte – nach den Duellen in der Liga und im Pokal nun in der Champions League.

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