Sport : Selbst schuld

Die USA gehen kritisch mit dem eigenen Team um

Christoph von Marschall

Washington - Amerikas Medien hadern mit den Schiedsrichtern, suchen die Ursache für das Ausscheiden des US-Teams aber am Ende bei der eigenen Leistung. „Sucht die Schuld bei euch selbst“, titelt die „Washington Times“. Trainer Bruce Arena hatte sich beschwert, der Elfmeterpfiff des Deutschen Markus Merk, der Ghana den 2:1-Siegtreffer bescherte, sei eine überharte Entscheidung gewesen. Schon beim Unentschieden gegen Italien sahen sich die USA durch den Schiedsrichter um den Sieg betrogen: Er hatte zwei US-Spieler nach Fouls vom Platz gestellt.

„Wir sind noch immer nur eine kleine Fußballnation“, analysiert die „Washington Post“. Das Vordringen ins Viertelfinale 2002, wo die USA unglücklich gegen Deutschland verloren, sei die Ausnahme gewesen. Das Ausscheiden in der Vorrunde 2006 entspreche dem Leistungsstand. Der Sturm sei schwach. Von den zwei Toren in den drei Spielen hat das US-Team nur eines selbst erzielt (gegen Ghana), das andere (gegen Italien) war ein Eigentor des Gegners. Nur vier- mal überhaupt hatten die Amerikaner aufs gegnerische Tor geschossen, die niedrigste Ausbeute aller WM-Teilnehmer. „Goodbye, World Cup. Goodbye, Germany. Goodbye, Claudio Reyna. Goodbye, Arena?“, fasst die „Post“ die Lage zusammen. Kapitän Reynas Verletzung als letzter Mann an der Strafraumgrenze verhalf Ghana zum ersten Treffer. Er beendet nun seine Karriere.

Arena wird wohl den Trainerstuhl freimachen. Falsche Taktik, eine unglückliche Hand beim Auswechseln, zu große Sprüche und zu hohe Erwartungen angesichts einer unzureichenden Vorbereitung: Das sind die gängigen Vorwürfe. Schon spekulieren manche, ob man Jürgen Klinsmann nach der WM als Nachfolger gewinnen könne. Der habe die deutsche Mannschaft und ihre Trainingsmethoden umgekrempelt, habe einen neuen Geist verbreitet – „und er lebt in Kalifornien“, betont die „Washington Times“.

„Wir haben es nicht verdient, weiterzukommen“, titelt die „New York Times“. Sie listet die gleichen Kritikpunkte auf wie die anderen Blätter, erinnert aber daran, dass niemand ein Vordringen ins Achtelfinale erwarten durfte. „Schon als wir bei der Auslosung Italien und Tschechien als Gegner bekamen, waren unsere Chancen gering. Man könnte also auch sagen: Die Amerikaner haben nicht schlechter abgeschnitten als erwartet.“

Das „Wall Street Journal“ hat seine eigene Perspektive. Im Gegensatz zu anderen Mannschaften hätten viele US-Spieler einen Universitätsabschluss. Auf dem Platz sei das vielleicht kein Vorteil, aber dafür im richtigen Leben.

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