Selbstdarsteller im Freizeitsport : Bleibt doch einfach mal bei euch!

Der Freizeitsport wird immer mehr Bühne für Selbstdarsteller. Unterstützt vom Internet, ausgenutzt von der Industrie. Oft wirkt das nur lächerlich. Unser Blendle-Lesetipp.

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Der Frühling treibt alle raus. Auch die Selbstoptimierer unter den Freizeitsportlern, die allen zeigen wollen, wie toll sie sind.
Der Frühling treibt alle raus. Auch die Selbstoptimierer unter den Freizeitsportlern, die allen zeigen wollen, wie toll sie sind.Foto: Fotolia

Es ist ein Hochgefühl. Wenn man seinen Laufrhythmus gefunden hat. Wenn sich jeder Schritt anfühlt, als schwebe man. Und dann die Endorphine ausgeschüttet werden. „Runner’s High“ nennen Läufer diesen paradiesischen Gemütszustand. Nicht nur Profis können ihn erreichen.

Deshalb treibt es nun auch wieder die Freizeitsportler heraus. Jetzt, da der Frühling richtig beginnt und die ersten sonnigen Tage ihren Teil zum Hochgefühl beitragen. Zudem fand an diesem Sonntag der inoffizielle Auftakt der Schönwetter-Laufsaison statt: der Berliner Halbmarathon, mit mehr als 30 000 Teilnehmern.

Doch das sportliche Hochgefühl hat mittlerweile große Konkurrenz bekommen. Denn vielen Freizeitsportlern reicht die eigene Bewegung längst nicht mehr aus. Immer mehr wollen auch alle anderen an ihren Leistungen teilhaben lassen. Das nimmt oft lächerliche Züge an.

Freizeitsportler werden immer selbstdarstellerischer. Viele von ihnen mutieren zu Narzissten in Turnhosen. Es geht nicht mehr nur darum, sich selbst etwas zu beweisen. Jetzt zählt auch: So viele Menschen wie möglich müssen sehen, was man sportlich vollbracht hat.

Diese Athleten wollen unbedingt beeindrucken. Und dafür bekommen sie zunehmende Möglichkeiten. Wer bisher unauffällig in Weiß, Grau oder Blau joggte, kann sich jetzt schon von Weitem in Neongelb und Neonorange erkennen lassen. Wer bisher versteckt im Fitnessstudio an Geräten schwitzte, kann seine Übungen in sogenannten Bootcamp-Gruppen auf dem Präsentierteller in den Parks absolvieren – wo alle Spaziergänger vorbeikommen. Und wer bisher auf abgelegenen Routen mit dem Rennrad unterwegs war, postet die zurückgelegte Strecke nun auf Facebook – natürlich inklusive Hinweis auf die neue Bestzeit und Jubel-Selfie.

Überhaupt haben viele Freizeitathleten ein neues Lieblingssportgerät: das Smartphone. Es ist das ideale Hilfsmittel, um aufzufallen und die eigenen Leistungen sofort über Twitter, Instagram und Facebook verbreiten zu können – und das so beeindruckend wie möglich. Mit der App Runtastic etwa kann man nach der Laufrunde bestens prahlen, wie viele Kalorien man verbrannt und wie viele Höhenmeter man bewältigt hat. Oder mit der App Freeletics kann man seine Bestleistungen bei Fitnessübungen ständig mit denen der sogenannten Community vergleichen.

Sind viele Freizeitsportler also vollkommen der Selbstinszenierung verfallen? Oder warum ist das Posten, Teilen und Veröffentlichen mittlerweile ein so wichtiger Bestandteil ihres Sports?

Den ganzen Text lesen Sie im digitalen Kiosk Blendle.

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