Sport : Selbstkritik im deutschen Eishockeyteam

Stockholm - Kapitän Marcel Goc war bedient. Kopfschüttelnd stapfte der einzige Star aus der National Hockey League (NHL) im deutschen Eishockey-WM-Kader vom Eis und konnte sich kaum beruhigen. „Einfacher spielen, wir müssen einfacher spielen“, predigte der Stürmer der Florida Panthers immer wieder nach dem 2:5 in Stockholm gegen WM-Gastgeber Schweden.

Aus der NHL ist es Goc gewohnt, mit den Besten der Besten mithalten zu können. Hier, bei dieser WM, stößt auch der vermeintliche Heilsbringer mit dem deutschen Team an seine Grenzen. Gegen die Schweden und am Tag zuvor beim 0:2 gegen Rekordweltmeister Russland wurden selbst kleinste Abspielfehler aus der eigenen Zone bestraft. Während die meisten deutschen Spieler die Niederlage schnell abhaken wollten, um sich auf die nun entscheidenden Duelle um den Viertelfinaleinzug zu konzentrieren, fiel die Kritik der Leistungsträger im Team auf. Die ambitionierten Spieler im Kader wollten den Leistungsunterschied nicht einfach akzeptieren. „Gegen Russland haben wir gesehen, wie es gehen kann. Da ist es egal, ob das schön aussieht oder nicht“, befand Goc. Den Kapitän nervten die Leichtsinnsfehler in der Abwehr. Genau wie Torhüter Dennis Endras, der mit seinen Paraden Deutschland lange im Spiel gehalten hatte. „Die haben mit uns Katz und Maus gespielt“, schimpfte Endras.

Bundestrainer Jakob Kölliker begrüßte die Kritik seiner besten Spieler. „Nach einer Niederlage soll niemand frohlocken. Das muss so sein“, befand der Schweizer. Auch Kölliker hat den Anspruch, gegen die Top-Nationen zu bestehen. Indes hat er erkannt, dass ihm die Hände gebunden sind. Das Leistungsgefälle in seinem nach einem Dutzend WM-Absagen zusammengestellten Kader ist groß. Öffentliche Kritik an den Spielern ist für Kölliker aber tabu. Größte Herausforderung sei es nach vier Spielen in sechs Tagen, die Köpfe frei zu bekommen. Er habe bei seinen Spielern eine „geistige Müdigkeit festgestellt“, sagte der Bundestrainer. Am Donnerstag war daher Regeneration angesagt, das Training fiel aus. Am Samstag gegen Dänemark und einen Tag später gegen Norwegen müssen für die Deutschen nun zwingend Siege her, um noch als Gruppenvierter das Viertelfinale zu erreichen. dpa

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