Sport : Selbstzahler

Wie die deutschen Volleyballer die Weltliga finanzieren

Karsten Doneck

Berlin. Stelian Moculescu ist ein unbequemer Verhandlungspartner. Was er sich in den Kopf gesetzt hat, das pflegt er mit einer bisweilen nervenden Hartnäckigkeit durchzufechten. Als der Volleyball-Bundestrainer vor ein paar Jahren den Wunsch äußerte, die deutsche Männer-Nationalmannschaft möge doch bitte in die Weltliga zurückkehren, stieg bei manchem Funktionär des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) der Blutdruck. „Wie sollen wir das finanzieren?“, lautete sogleich die bange Frage.

Deutschlands Volleyballer schmettern nach ihrem zwischenzeitlichen Ausstieg anno 1995 nun wieder im dritten Jahr in der Weltliga die Bälle übers Netz, für die nächsten beiden Jahre ist die Teilnahme ebenfalls gebucht. Am Sonnabend und Sonntag (jeweils 14 Uhr, Max-Schmeling-Halle) gastiert Weltmeister Brasilien zweimal in Berlin. Und Moculescu ist zufrieden. „Unsere Teilnahme ist unerlässlich. Ohne Weltliga kommt man nicht in die Topkategorie des Weltvolleyballs“, sagt der Bundestrainer.

Geblieben sind die finanziellen Sorgen. Der Volleyball-Weltverband (FIVB) lockt zwar damit, dass das Preisgeld in der Weltliga auf mittlerweile 15 Millionen US-Dollar aufgestockt wurde. Doch Siegbert Brutschin, Chef des deutschen Organisationskomitees, weist auf einen Haken hin. „Wer in seiner Gruppe Dritter oder Vierter wird, der investiert nur. Erst die Finalteilnahme rentiert sich“, sagt Brutschin. Deutschland beendete die Weltliga bislang stets nach der Vorrunde, zu übermächtig waren die Gegner.

Und der DVV muss deshalb kräftig zuzahlen. Jeder Teilnehmer an der Weltliga entrichtet nämlich erst einmal eine Startgebühr. Die lag für Deutschland früher mal bei 150000 US-Dollar. Götz Moser, der Vizepräsident des DVV, will partout nicht die aktuellen Zahlen verraten, „weil die einzelnen Nationen unterschiedliche Beträge einzahlen“, aber für Deutschland soll der Eintrittspreis für die Weltliga derzeit um die 100000 US-Dollar liegen.

Nun ist der DVV aber permanent knapp bei Kasse. 100000 US-Dollar aufzubringen, fällt da verdammt schwer. „Wir sind auf die Hilfe der Städte angewiesen, in denen wir spielen“, sagt Moser. Günstige Hallenmieten, großzügige Ausfallbürgschaften der Spielstädte, dazu Liveübertragungen im TV, der Verkauf von sechs Banden pro Doppelspieltag zum Preis von 5000 Euro pro Stück – das sichert dem DVV letztlich das Überleben in der Weltliga.

Und auch kleinere Hilfsaktionen werden dankbar angenommen. So kassieren die Spieler in der Vorrunde in jedem Spiel 200 US-Dollar pro Mann als Antrittsgage vom Weltverband. Bei einem Zwölferkader und sechs Partien kommen da 14400 US-Dollar für die ganze Mannschaft zusammen. Die DVV-Spieler spendeten das Geld in den beiden vorangegangenen Jahren ihrem Verband, um in der Weltliga weiterspielen zu können. „Eine große Geste“, nennt Götz Moser das.

Der Geldeinsatz lohnt sich, zumindest sportlich. Frank Dehne, Zuspieler der DVV-Auswahl, sieht die Fortschritte, die sich Moculescu wünscht. „Wir machen längst nicht mehr so viel dumme Fehler wie früher“, sagt Dehne.

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