Sport : Seltsame Bekannte

Der Fall um Dopingsünderin Kelli White wird immer suspekter

Frank Bachner

Berlin. Kelli White lebt in San Francsico, und dort, hat sie mal gesagt, „kennt mich keiner“. Das hat sich geändert. Denn Kelli White besetzt jetzt die Hauptrolle im spektakulärsten Dopingfall der Leichtathletik in den vergangenen Jahren. Beim Welt-Finale am Wochenende in Monaco darf die Doppel-Weltmeisterin über 100 m und 200 m zwar noch starten, weil es noch keinen juristischen Schuldspruch gibt, aber der Weltverband IAAF betrachtet sie bereits als Dopingsünderin. Dabei habe sie das Stimulanzmittel Modafinil doch nur eingenommen, um tagsüber nicht immer so erschöpft zu sein. Außerdem habe das Medikament nicht auf der Dopingliste gestanden. Das hatte sie mit brüchiger Stimme bei der WM in Paris erklärt, und schon damals kam die Frage auf, wie glaubwürdig die US-Sprinterin ist.

Die Frage stellt sich immer stärker. Denn der Arzt, der ihr das Medikament verschrieben hat, steht selber in einem diffusen Licht da. Dr. Brian Goldman ist nicht bloß Kinderpsychiater und gab White ein Medikament, das in Deutschland unters Betäubungsmittelgesetz fällt, er ist auch noch Mitgesellschafter des Nahrungsergänzungsmittel-Herstellers Balco. Und diese Firma preist das Mittel ZMA an, ein Zink-Magnesium-Nahrungsergänzungsstoff. Whites Trainer Remy Korchemny schwört auf das Mittel. ZMA sei ideal für Muskelzuwachs, heißt es in der Werbung. Mit dieser Magnesium-Zink-Mischung werde die Testosteronkonzentration um 30 Prozent gesteigert und damit die Fähigkeit zum Muskelaufbau. „Das ist natürlich völliger Blödsinn“, sagt dagegen Fritz Sörgel, Leiter des Instituts für pharmakologische Forschung in Nürnberg. Die entsprechende Studie „war entweder getürkt oder bei der Untersuchung ist etwas schief gegangen. Magnesium hat keinen Einfluss auf die Testosteronkonzentration.“ Sörgel warnt vor Leuten, die so etwas verbreiten: „Das sind Scharlatane, da wäre ich äußerst vorsichtig.“ Goldman sagte in einem Interview: „Ich biete Sportlern nur legale Alternativen zu Steroiden, die Muskelwachstum versprechen.“ Sein Mitgesellschafter Victor Conte ist da weniger vorsichtig: „Ich verurteile die Anwendung anaboler Steroide und von Wachstumshormonen nicht. Ich kenne viele Sportler, die Wachstumshormone nehmen und von enormen Vorteilen erzählen“, verkündete er 1998 in einem Interview.

Das sind die Leute aus Kelli Whites Umgebung. Und nicht nur Goldman hat direkten Einfluss auf sie. Ihr Trainer Korchemny auch. Er ist der dritte Gesellschafter von Balco.

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