Sport : Seltsame Rücksichtnahme

Frank Bachner

empfindet zwei Jahre Sperre für Triathletin Kraft als zu wenig Auf den ersten Blick scheint das Urteil in Ordnung zu sein. Zwei Jahre Sperre für Nina Kraft, eine vermeintlich angemessene Sperre für den Epo-Missbrauch einer Triathletin, die im Herbst als erste deutsche Frau den Ironman auf Hawaii gewonnen hatte. Die Anti-Doping-Kommission der Deutschen Triathlon Union (DTU) hätte Kraft auch für drei Jahre sperren können. Aber die Richter argumentierten, Kraft sei bisher in Sachen Doping nicht negativ aufgefallen, sie habe sofort gestanden und ihre Fehler eingesehen. Deshalb: keine Höchststrafe.

Pikanterweise rechtfertigen gerade diese Gründe keine Milde. Kraft ist nie aufgefallen – wie sollte sie auch? Dopingtests im Triathlon waren bislang entweder unbekannt oder galten als Lachnummer. „Kontrollen auf Hawaii hat keiner richtig ernst genommen“, sagt der deutsche Triathlet Harald Funk. Erst 2004 wurde dort erstmals auf Epo getestet, prompt flog Kraft auf. Sie will nur wenige Wochen Epo genommen haben. Nur spricht die ganze Erfahrung der Doping-Szene mit Epo gegen eine solch kurzzeitige Manipulation. Mit Epo wird normalerweise über einen langen Zeitraum hinweg gearbeitet.

Und gestanden hatte Kraft erst, als es nicht mehr anders ging. Die A-Probe war positiv, in den seltensten Fällen fällt die B-Probe anders aus. Direkt nach ihrem Sieg aber habe sie allen erstmal ins Gesicht gelogen, sagt Norman Stadler, der wie Nina Kraft den Ironman 2004 gewonnen hatte. Stadler hat sich schon vor einiger Zeit freiwillig dem Kontrollsystem der DTU unterworfen. Nina Kraft hatte diesen Schritt vermieden.

Juristisch ist das Urteil nicht anzufechten. Moralisch aber hat Stadler Recht: Das Urteil ist zu milde.

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