Sport : Seltsamer Abschied von der Tour Sieger Contador lässt sich unbeirrt feiern

Sebastian Moll

Paris - Radsportfans lassen sich nur sehr schwer von ihrem Vergnügen abbringen – nicht einmal diese Tour de France, bei der man an der Farce, die der Radsport darstellt, nicht mehr vorbeischauen konnte, vermochte es, die Menschen vom Straßenrand fernzuhalten. Zu Hunderttausenden standen sie an einem verregneten Sonntag an den Champs Élysées, klatschten brav und schwangen ihre Fähnchen, als die am Ende übrig gebliebenen 140 Radler am Place de la Concorde auf den Pariser Prachtboulevard einbogen. Auch als der neue Sieger der Tour, Alberto Contador, auf das Siegerpodest kletterte, wurde gejubelt, wie das Drehbuch einer Ehrung das vorsieht. Einzelne Pfiffe gingen in der Menge unter. Contador sagte: „Ich bin glücklich. Das ist der Traum meines Lebens.“

Es war beinahe so, als wollte die Tour auf ihren letzten Metern mit aller Macht Normalität demonstrieren. Die Mannschaft von Contador bekam ihre Ehrenrunde an der Spitze des Feldes zugebilligt, bevor die Sprinter- Teams sich in Position brachten. Und auch der Sprint Royale vor dem Elysee-Palast ging seinen traditionellen Gang, der Italiener Daniele Bennati gewann die letzte Etappe. Erik Zabel vom Team Milram wurde Dritter. Der zwischenzeitlich geplante Protest der Dopinggegner unter den Fahrern gegen diese Tour und diesen Sieger Alberto Contador, der in die Fuentes-Affäre verwickelt ist, blieb aus. Am Ende war wohl auch den französischen und deutschen Mannschaften, die sich zu einer Koalition für den sauberen Radsport zusammengeschlossen haben, die Chance auf einen prestigeträchtigen Etappensieg in Paris wichtiger als die Gesinnung.

Der Berliner Jens Voigt wurde als 28. im Gesamtklassement schließlich bester Deutscher bei dieser Tour de France – einer Tour de France, die kaum ein Vergnügen war. Sebastian Moll

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