Sport : Sendepause in Fernost

NAME

Robert Ide über teuren Fußball

und billiges Fernsehen

Schadenfreude macht immer noch am meisten Spaß. Besonders im Fußball. Das hat auch das Deutsche Sportfernsehen erkannt. Zehn Tage vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft hat der Fernsehsender ein Plakat entworfen, das deutsche Zuschauer anlocken soll. Es zeigt ein Mannschaftsfoto der niederländischen Nationalelf, darüber steht der Werbespruch „Mittendrin statt nicht dabei.“ Das ist wirklich witzig. Und das ist kluges Marketing. Vor allem für einen Sender, der gar keine Übertragungsrechte hat.

Aber wer überträgt eigentlich das Spektakel in Nahost? ARD und ZDF dürfen gerade mal 24 Spiele zeigen. Natürlich sind die deutschen Begegnungen dabei, auch die Entscheidungsspiele, unter Umständen kommt das Spiel um Platz drei hinzu. Aber sonst: Sendepause. Mindestens 39 Begegnungen fallen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen aus. Frankreich gegen Dänemark, Brasilien gegen Costa Rica, Schweden gegen Argentinien – das dürften spannende Spiele werden. Doch sie sind nur beim Bezahlsender Premiere zu sehen. ARD und ZDF zeigen stattdessen Standbilder vom deutschen Trainingsplatz. Zu mehr reicht das Geld nicht.

Bleibt also Premiere. Aber der Kirch-Sender hat Schulden. Deshalb wurden die Übertragungskosten für die WM um die Hälfte reduziert. Zwei Drittel der Spiele kommentieren die Reporter vor dem Fernsehschirm im bayerischen Ismaning, das WM-Studio steht auf dem Firmengelände. Die Fußball-WM findet bei Premiere in Bayern statt.

Die Lehre aus der dosierten TV-Kost dürfte in den nächsten Wochen jedem klar werden: Fußball im Fernsehen ist zu teuer geworden. Vielleicht kommt diese Botschaft endlich auch in der Bundesliga an. Die sperrt sich immer noch dagegen, mit weniger Geld zu planen. Am Pfingstwochenende scheiterten die Verhandlungen zwischen Ligaverband und Premiere über die Höhe der Fernsehgelder für die nächste Saison. Die Deutsche Fußball-Liga muss zudem einen Kredit über 25 Millionen Euro aufnehmen. Die Finanzierung der kommenden Saison ist weiterhin unklar. Wenn Manager und Spieler nicht bald bescheidener werden, heißt es bald für den gesamten deutschen Fußball: „Mittendrin und nicht dabei“.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben