Sport : Sendepause

Basketballfans sitzen beim TV auf der Hinterbank

Benedikt Voigt

Am Freitag hat der Fernsehsender ZDF mal eben eine Regel im Basketball geändert. „Die 30-Sekunden-Uhr läuft ab“, hatte der Kommentator Norbert Galeske gesagt, doch diese Uhr gibt es nicht mehr. Seit drei Jahren hat eine Mannschaft bei Spielen des Weltverbandes Fiba nur noch 24 Sekunden Zeit, um einen Angriff abzuschließen. Das war allerdings nur ein kleinerer Fauxpas, den sich das ZDF leistete, der größere könnte in der kommenden Woche folgen: Obwohl ARD und ZDF die Rechte an der Basketball-Europameisterschaft besitzen, ist nicht klar, ob es noch eine Live-Übertragung im Fernsehen geben wird.

„Ich weiß nicht, was wir noch tun können“, sagt Roland Geggus. Das Thema Fernsehen ruft beim Präsidenten des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) einen gequälten Gesichtsausdruck hervor. „Nur das Halbfinale liegt günstig für eine Liveübertragung“, sagt Jörg Augustin von der Sportrechteagentur Sport A. Bereits das heutige Ausscheidungsspiel um den Einzug ins Viertelfinale überträgt das ZDF nur in einer Zusammenfassung um 23 Uhr 30. Zwar hatte sich das ZDF bemüht, den Termin zu ändern. „Aber das ist wegen des Transports der gegnerischen Mannschaft aus Lulea nach Norrköping wohl nicht möglich“, sagt Augustin.

Das Finale ist auf Sonntag 20 Uhr angesetzt. Falls die deutsche Mannschaft tatsächlich so weit kommen sollte – wonach es nach dem gestrigen Spiel gegen Litauen nicht unbedingt aussieht –, bringt diese Zeit das ZDF ebenfalls in Schwierigkeiten. „Aber wir werden versuchen, alles zu übertragen“, sagt Kommentator Norbert Galeske. „Ich bin ratlos“, sagt Roland Geggus. „meine einzige Hoffnung ist, dass wir dramaturgisch richtig spielen und das Fernsehen von einer Protestwelle überrollt wird, wenn es nicht sendet.“ Die bisherigen Quoten der Vorrundenspiele sind erfreulich für die Sportart. Beim ersten Spiel am Freitagnachmittag saßen durchschnittlich 850 000 Zuschauer vor dem Fernseher. Basketball hatte einen Marktanteil von 9,5 Prozent. Am Samstagnachmittag gegen Lettland hatte die ARD sogar einen Marktanteil von 17,4 Prozent: 1,46 Millionen Zuschauer.

Bei der Europameisterschaft 2001 hatte das DSF vorgemacht, dass man auch mit der Randsportart Basketball Quote machen kann. Allerdings nur mit der deutschen Nationalmannschaft. Die Bundesligaspiele im DSF sahen in den vergangenen Jahren oftmals nur rund 100 000 Zuschauer. Gegenwärtig sucht die Basketball-Bundesliga noch nach Möglichkeiten, ins Fernsehen zu kommen. „Die Fernsehlandschaft ist für Basketball so miserabel, dass wir mit dem zufrieden sein müssen, was wir hier haben“, sagt Geggus.

Die deutsche Basketball-Nationalmannschaft hatte in der Vergangenheit immer Pech mit ihren Übertragungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Schon die erste Halbzeit gegen das Dream Team der USA bei den Olympischen Spiele 1992 fiel einer aktuellen Sondersendung zum Opfer. Als das deutsche Team ein Jahr später das Finale der Europameisterschaft bestritt, blendete sich die ARD erst in der zweiten Halbzeit ein. Bei der Weltmeisterschaft 2002 übertrug die ARD das Halbfinale gegen Argentinien ebenfalls erst später. Das Spiel um Platz drei gab es dann nur als Aufzeichnung. „Das zieht sich durch wie ein roter Faden“, sagt Roland Geggus.

Dabei ist das Medieninteresse an der deutschen Basketball-Nationalmannschaft so groß wie nie. Über 60 deutsche Printjournalisten sind nach Norrköping gereist. „Das ist für uns ein Quantensprung“, sagt Geggus. In letzter Minute kam auch noch ein Fernsehteam des Privatsenders RTL. „Aber das ersetzt nicht die Liveübertragung“, sagt Roland Geggus. Der Präsident des Deutschen Basketball-Bundes wirkt verzweifelt. Seine Hoffung auf eine zufriedenstellende Lösung in der kommenden Woche ist gering. Er sagt: „Vielleicht funktionieren sie ja Arte um.“

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