Sport : Senkrechtstart nach dem Absturz Powell verbessert eigenen 100-Meter-Weltrekord

Rieti - Rieti wurde schon von den alten Römern „Umbilicus Italiae“ genannt, der „Nabel Italiens“. Am Sonntag wurde die Kleinstadt nordöstlich von Rom zum Nabel der Leichtathletikwelt: Beim Meeting in Rieti verbesserte Asafa Powell im Vorlauf seinen eigenen 100-Meter-Weltrekord um drei Hundertstelsekunden auf 9,74 Sekunden. „So was passiert, wenn ich auf meinen Trainer höre“, erklärte der Jamaikaner unmittelbar nach seinem Lauf, der von zulässigen 1,7 Meter pro Sekunde Rückenwind unterstützt wurde. Am 14. Juni 2005 hatte er in Athen den Weltrekord mit 9,77 Sekunden erstmals aufgestellt und danach noch zweimal eingestellt. Die etwas verspätete Genugtuung am Ende der Saison ist für den 24-Jährigen ein Trost für die enttäuschende Bronzemedaille in Osaka.

Nach seiner WM-Schlappe vor zwei Wochen war der Pastorensohn aus Kingston von zahlreichen Medien als „Großmaul“ verspottet worden, als „Überflieger mit gestutzten Flügeln“, weil er bei großen Titelkämpfen noch nie Gold gewonnen hatte. Ausgerechnet im WM-Finale war er verkrampft und wurde in 9,96 Sekunden nur Dritter hinter seinem siegreichen Dauerrivalen Tyson Gay (USA/9,85). „Ich war panisch am Ende des Rennens“, hatte Powell zugegeben. Die Panik wich Fassungslosigkeit und Frustration. Vor der WM hatte er immer wieder betont: „Wenn es ernst wird, werde ich da sein.“ Beeindruckend unbeeindruckt von der Schelte hat der Olympiafünfte von Athen in Rieti seine Geschwindigkeit wiedergefunden. Mit einem nahezu perfekten Rennen sorgte er an diesem lauen Spätsommerabend vor halbleeren Tribünen für eine Überraschung.

Beim Golden-League-Meeting am Freitag in Zürich hatte Powell noch gefehlt, weil er die 100 000-Dollar-Offerte der Organisatoren ausgeschlagen hatte. Durch die Bestmarke wird sein Marktwert erneut steigen. Denn dieser Weltrekord symbolisiert alles, was die Leichtathletik so faszinierend macht – und gleichzeitig so angreifbar. Denn wie nahezu alle Leichtathleten, die in der heutigen Zeit Weltrekorde aufstellen, muss sich wohl auch Powell unangenehmen Fragen stellen. Die wichtigste lautet so: Kann der schnellste Mann der Welt wirklich auf natürlichem Weg so schnell sein? dpa

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