Sport : Señors Tore sind Fluch und Segen zugleich

Raúl wird mit jedem Treffer noch teurer.

Richard Leipold[Gelsenkirchen]
Señor Torjäger. Der Schalker Raúl jubelt nach einem seiner drei Treffer gegen Werder Bremen. Foto: dapd
Señor Torjäger. Der Schalker Raúl jubelt nach einem seiner drei Treffer gegen Werder Bremen. Foto: dapdFoto: dapd

Vor lauter Freude deutete Raúl demonstrativ auf das Vereinsemblem des FC Schalke 04 auf seiner Brust. Drei Treffer gegen Werder Bremen waren ihm schon in der vergangenen Saison gelungen– aber dieses Kunststück zu wiederholen, war Raúl nicht nur ein Vergnügen, sondern eine Herzensangelegenheit. Beim 5:0 (3:0) gegen die Bremer, einen vermeintlichen Konkurrenten aus dem oberen Drittel, wurde der spanische Stürmerstar zum überragenden Mann einer insgesamt starken Elf. Die weiteren Tore erzielten Kyriakos Papadopoulos und Klaas-Jan Huntelaar, dank des Sieges festigte Schalke den dritten Platz in der Fußball-Bundesliga.

Sogar der zuweilen knurrig wirkende Trainer Huub Stevens geriet ins Schwärmen. „Es war ein Superspiel von uns, nur die ersten paar Minuten nach der Pause waren nicht gut.“ Raúl befeuerte mit seinen Toren abermals die Spekulationen, ob er seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag verlängern werde. Eine Entscheidung werde frühestens im Januar fallen, sagte der 34 Jahre alte Angreifer. Dreh- und Angelpunkt ist das Geld. Derzeit steuert Raúls Ex-Klub Real Madrid jährlich zwei Millionen Euro zu dem Gehalt des Stürmers bei. Doch in der neuen Saison versiegt diese Quelle. Und damit könnte der 34-Jährige für Schalke unbezahlbar werden. „Ich möchte mit vielen Spielern verlängern, auch mit Raúl“, sagte Schalkes Manager Horst Heldt. „Ich möchte aber auch Messi oder Cristiano Ronaldo verpflichten. Es ist kein Wunschkonzert.“ Im Klartext: Wenn Raúl so viel verdienen möchte wie bisher, kann er gehen. Aber mit jedem Tor steigen natürlich Raúls Ansprüche auf einen gutdotierten Vertrag.

Dann verliert Schalke aber einen zuverlässigenTorjäger. Bei seinen ersten beiden Treffern gegen die maßlos enttäuschenden Bremer kam Raúl freilich auch erstaunlich unbehelligt im Fünfmeterraum zum Schuss; dabei profitierte er jeweils von der Vorarbeit seines Kollegen Huntelaar. Dem ersten Tor ging ein Pfostenschuss, dem zweiten eine Flanke des Niederländers voraus. Den zweiten Treffer erzielte Raúl allerdings aus stark abseitsverdächtiger Position.

Vor den beiden spanisch-niederländischen Gemeinschaftswerken hatten Teemu Pukki und Marco Höger gute Chancen ausgelassen, schon in der ersten Viertelstunde aufzutrumpfen. Das Zwischenergebnis zwang Bremen, nach vorn zu spielen – Schalke konnte auf Gegenstöße lauern. Während Werder nicht eine gute Möglichkeit zustande brachte, hätten Pukki und Huntelaar den Vorsprung noch vor der Pause ausbauen können, sie scheiterten an Torhüter Tim Wiese.

Nach dem Seitenwechsel gingen die Bremer ein wenig zielstrebiger zu Werke, Markus Rosenberg entfachte zweimal sogar Gefahr. Diese Vorstöße genügten jedoch nicht, um Schalke zu verunsichern. Die Westfalen blieben bei Kontern gefährlich, besonders Raúl. Der Señor, wie sie ihn nennen, hatte noch nicht genug und nutzte eine Flanke von Christian Fuchs zum dritten Tor. Nach gut einer Stunde war der Widerstand der Bremer vollends gebrochen. Es ging nur noch um die Höhe des Schalker Sieges, Papadopulos und Huntelaar machten die Partie für Werder mit weiteren Treffern zum Debakel.

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