Sport : Sensation am Rande

Mathias Klappenbach

Es war 1958, als der Luxemburger Charly Gaul einmal die Viertelstunde wieder aufholte, die er am Tag zuvor verloren hatte. Auch Eddy Merckx hat 1971 eindrucksvoll gegen Luis Ocana gekontert. Das war in einer anderen Zeit. Bei dieser Tour de France hat nun Floyd Landis etwas geschafft, was in Tagen, in denen alle Fahrer einen Knopf im Ohr haben und ständig über das Renngeschehen informiert sind, nicht mehr möglich zu sein schien: Er hat alle anderen alleine in Grund und Boden gefahren, am Tag nach seinem großen Einbruch. Die anderen hatten Landis keine Taktik und nicht genug Kraft entgegenzusetzen. Der Amerikaner hat das Duell einer gegen alle gewonnen, ohne Windschatten auf seiner 130 Kilometer langen Alleinfahrt am vergangenen Donnerstag.

Das ist sagenhaft, das ist unglaublich, das ist die Story überhaupt. Und dennoch wird es Landis passieren, dass diese Leistung nicht zum großen Mythos in der Radsportgeschichte wird. Weil sie nicht in diese Zeit passt. Zu sehr steht diese Tour im Zeichen des Dopings. Noch bevor Landis bei seinem historischen Kraftakt das Ziel erreicht hatte, waren schon die Zweifel zu hören, was er denn wohl über Nacht mit seinem Körper angestellt habe.

Landis hat gesagt, dass er am Abend nach seinem Einbruch ein Bier getrunken und sich überlegt habe, dass die Tour so nicht zu Ende gehen solle. Wenn das tatsächlich der Schlüssel zu seiner Wiederauferstehung gewesen ist, ist Floyd Landis der sensationellste Toursieger überhaupt. Und der tragischste, weil auch die Zweifel bleiben werden.

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