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Sensationell Meister der Premier League : Leicester City bringt die Romantik zurück ins Spiel

Durch ein 2:2 von Verfolger Tottenham beim FC Chelsea ist der Leicester City Football Club erstmalig englischer Meister. Ein Kommentar zu diesem modernen Fußball-Märchen.

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Leicesters Fans feiern die Meisterschaft.
Leicesters Fans feiern die Meisterschaft.Foto: REUTERS

Wo Robert Huth gestern Abend die Meisterschaft gefeiert hat? Es gab da einige Möglichkeiten. Im  Pub mit ein paar Kumpels, auf dem Sofa neben seiner Freundin und den beiden Kindern, am Ende entschied er sich wie die gesamte Belegschaft von Leicester City für das Wohnzimmer des Stürmers Jamie Vardy. Überhaupt nicht zur Debatte stand eine Party dort, wo für gewöhnlich Meisterschaften gefeiert werden und wo nach einer alten Fußball-Weisheit die Wahrheit ist, nämlich auf'm Platz.

Es passt zu dieser sensationellsten Meisterschaft seit mindestens tausend Jahren, dass sie ihrer Vollendung im Irgendwo entgegenblickte. Im konkreten Fall lag das Irgendwo an der Stamford Bridge, im Stadion des FC Chelsea, für den der Berliner Robert Huth ja auch einmal gespielt hat. Aus formalen Gründen musste  der Leicester City Football Club noch dieses eine Spiel des letzten Rivalen Tottenham Hotspur gestern beim FC Chelsea abwarten, bis die Party beginnen durfte. Chelsea lieferte die Auftragsarbeit ab, erkämpfte nach einem 0:2-Rückstand noch ein 2:2 und machte Leicester zum Champion of England. Aber ernsthaft hatte ohnehin keiner mehr am Gelingen dieses Fußball-Wunders gezweifelt.

Der Fußball verdankt Leicester City eine kurzzeitige Rückkehr zu der Romantik, die dem milliardenschweren Geschäft doch längst abhanden gekommen ist. Dieser Meister hat vor einem Jahr noch gegen den Abstieg gespielt und heizt dem Kapitalismus jetzt heftiger ein als Attac und Greenpeace zusammen.

Leicester ist ein No-Name-Champion mit No-Name-Spielern wie Robert Huth oder Jamie Vardy, der vor drei Jahren noch in der fünften Liga kickte und jetzt, als Englands Fußballer des Jahres zur Europameisterschaft fährt. Aus objektiver englischer Perspektive ist Jamie Vardy das Gesicht dieses Meisters. Aus nicht ganz so objektiver deutscher Sicht ist es Robert Huth.

Angefangen hat er bei Fortuna Biesdorf, dann zwei Jahre für den 1. FC Union gespielt, bevor es mit 16 nach England ging. Meister auf Chelseas Ersatzbank, Nationalspieler beim Sommermärchen 2006 – Huth machte eine atemberaubende Karriere, aber dann wurde es erst mal still. Nach der WM ging er nach Middlesbrough und 2009 nach Stoke, seitdem ist er kein Thema mehr für die Nationalelf. Nach Leicester verschlug es ihn wegen einer Knieverletzung, es wirkte wie ein Rückschritt und war doch wahrscheinlich die beste Entscheidung seines Lebens. Jetzt, mit 31, spielt er so gut wie nie und zählt zu den überragenden Innenverteidigern der Premier League. Und, ganz nebenbei: Was muss dieser Joachim Löw doch für ein glücklicher und mit großartigem Personal gesegneter Bundestrainer sein, dass er partout nicht bei Robert Huth anrufen mag.

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