Sport : Sensationen in Serie

Die Berlin Volleys schlagen Friedrichshafen zum dritten Mal und erreichen das Finale gegen Haching.

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Finale, wir kommen. Die Berliner Shoji (links hinten) und Kmet (rechts). Foto: nph
Finale, wir kommen. Die Berliner Shoji (links hinten) und Kmet (rechts). Foto: nphFoto: nordphoto

Berlin - Als Urpo Sivula auf dem Feld liegen blieb, war es auf einmal ganz still in der Max-Schmeling-Halle. 9:10 stand es im ersten Durchgang des vierten Halbfinalspiels zwischen den Berlin Volleys und dem VfB Friedrichshafen. Der finnische Außenangreifer der Berliner war nach einem Block unglücklich aufgekommen und umgeknickt. Noch einer, ging es wohl vielen der 7042 Zuschauer durch den Kopf. Zwei der wichtigsten Berliner Spieler hatten sich bereits im dritten Halbfinalspiel dieser Best-of-five-Serie verletzt. Gegen den deutschen Serienmeister VfB Friedrichshafen hatten die Berliner auch in Bestbesetzung in den vergangenen Jahren selten eine Chance. Doch anders in diesem Jahr. Die Berliner kämpften, mehr noch: Sie beherrschten Friedrichshafen und besiegten den Titelverteidiger und Pokalsieger zum dritten Mal innerhalb einer Woche 3:1 (17:25, 25:22, 25:22, 25:22). Die Berlin Volleys stehen im Finale der Deutschen Volleyball-Liga.

„In diesem Moment habe ich gedacht: Wenn es einen Volleyballgott gibt, dann ist er nicht für uns“, sagte Kaweh Niroomand später. Kopfschüttelnd war der Volleys-Manager in den Katakomben verschwunden, als Sivula vom Feld getragen wurde. Knapp zwei Stunden später lag er sich hüpfend mit seinen Mitarbeitern in den Armen. Sivula stand auf Krücken gestützt inmitten seiner tobenden Mannschaftskollegen. Niemand hatte den Volleys so recht zugetraut, dass sie Friedrichshafen würden schlagen können. Nicht dreimal hintereinander, nicht im Halbfinale. In der Saison 2002/2003 war Friedrichshafen letztmals in dieser Runde gescheitert. Nach der durchwachsenen Berliner Saison hatte eigentlich alles für die Mannschaft vom Bodensee gesprochen.

Dass es anders kam, hatte auch viel mit einem zu tun, der aufgrund Sivulas Ausfall seine Chance nach langer Verletzung erhielt: Paul Carroll. Fünf Wochen war der Australier aufgrund einer Schulterverletzung ausgefallen, nun musste er ran – und wurde zum Matchwinner. „Ich habe morgens noch gesagt: Paul, ich habe das Gefühl, wir werden dich heute brauchen“, erzählte Niroomand. 24 Punkte standen am Ende auf Carrolls Konto, die meisten davon waren ganz wichtige. Der Australier schien es selbst kaum glauben zu können. „Das war einfach unglaublich“, sagte Carroll. „Wie oft hintereinander sind die jetzt Meister geworden?“ fragte er. „Siebenmal? Das ist einfach unglaublich.“

Kaweh Niroomand, seit Jahren kreativer Macher der Berlin Volleys, sah sich angesichts einer seiner größten Erfolge bestätigt: „Wir hatten die richtige Einkaufspolitik. Niemand kann so viele Verletzungen ausgleichen“, sagte der Manager. „Wir stehen hier nur, weil unser Kader so breit aufgestellt ist.“ Während Ricardo Galandi im Anzug auf der Tribüne saß, konnte zumindest Scott Touzinsky spielen, das linke Knie dick mit Tape umwickelt. Beide hatten sich in Friedrichshafen am Knie verletzt. Mittelblocker Felix Fischer vertrat Galandi mit Bravour, nicht im Angriff, auch im Block erwischten die Berliner einen starken Tag.

Das endgültige Selbstvertrauen hatten sich die Berlin Volleys am vergangenen Mittwoch beim Auswärtsspiel in Friedrichshafen geholt. Ein Sieg am Bodensee war ihnen seit 2007 nicht mehr gelungen. Nun, vor einer Traumkulisse in Prenzlauer Berg war nur anfangs, wohl auch durch die Verunsicherung nach Sivulas Verletzung, etwas Nervosität zu spüren. Der erste Satz ging relativ deutlich an Friedrichshafen, doch danach deutete sich an, dass sich der ehemalige SC Charlottenburg die Chance auf das zweite Finale in Folge nicht nehmen lassen würde. „Ich habe nie daran gezweifelt, dass wir das gewinnen würden“, sagte auch Trainer Mark Lebedew später. Als Scott Touzinsky den Schmetterball zum Gewinn des zweiten Satzes verwandelt hatte, kippte die Stimmung zugunsten der Volleys. Je länger das Spiel dauerte, desto stärker wurde Carroll. Die fehlende Spielpraxis holte er sich mit jedem Punkt, gewann den dritten Durchgang fast im Alleingang. Und schließlich waren es Tomas Kmet und Felix Fischer, die mit einem erneut sicheren Block die Sensation schafften.

Im Finale treffen die Berlin Volleys in einer Woche auf Generali Haching. Die bislang beste Mannschaft der Saison hat erst kürzlich das Pokalfinale gegen Friedrichshafen verloren. Mit einer Mannschaftsleistung wie am Sonntagnachmittag, können die Berliner dann zum ersten Mal seit 2004 Deutscher Volleyballmeister werden.

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